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Audi RS6 Avant - Test

Leerlauf mit dem Audi RS6 Avant – die andere Testfahrt

Testfahrten mit einen neuen Auto laufen in der Regel nach einem festen Muster ab. Nicht so der Ausflug mit dem Audi RS6 Avant. Audis Neuer stellt mich und meinen Mitfahrer beim Testlauf in der Umgebung von München auf eine harte Probe. Ein Abenteuerbericht.

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Testfahrten eines neuen Fahrzeugs im Rahmen der Pressevorführung laufen eigentlich immer nach dem gleichen Schema ab: man bekommt ein vollgetanktes, gepflegtes Neufahrzeug und darf dessen Eigenschaften für zwei, drei Stunden im Straßenverkehr testen. Diese Ausfahrten erfolgen entweder frei, wenn man das Gebiet kennt, oder im Navi sind einige Routen hinterlegt, denen man folgen kann. Dabei gibt es meist sowohl einen Streckenanteil von Stadt, Land und Autobahn.

Nun ist man an diesen Ablauf so gewöhnt, dass man nicht mehr unbedingt auf den Tankinhalt des Fahrzeugs schaut, das einem übergeben wird.

Man setzt sich hinein, stellt Sitze und Spiegel ein, startet den Motor, wählt die Route und los.

Wir sitzen im neuen Audi RS6 Avant. Die Route ist gewählt: 130 Kilometer durch das Münchener Umland. Autobahn, Landstraße, Dörfer. Eine schöne, abwechslungsreiche Strecke, die zeigen soll, was der neuste Sportler von Audi kann.
Nicht auf dem Plan stand “Sprit sparen”. Doch genau das sollten wir am Ende testen.

Das erste Stück der Fahrt übernehme ich: einige Kilometer auf der A92, anschließend ein Stück auf der Landstraße. Dann, nach etwa der Hälfte der Strecke wechsle ich mit meinem Beifahrer. Don Dahlmann ist autoerfahren, ein Routinier und wunderbarer Mitfahrer bei Events wie diesem.
Er übernimmt, wir gleiten einige Kilometer über die Straße. Und irgendwann sagt er: “Restreichweite: 75 Kilometer, Reststrecke auch.”
Gut, das passt. Der Tank ist zwar etwas leerer, als er sein sollte – aber was soll’s. Der V8 Bi-Turbo brummelt, die Klimaanlage läuft und die Restreichweite tickt im selben Rhythmus herunter, die die Reststrecke.
30 Kilometer vor dem Ziel, die letzten Kilometer gehen über die Autobahn, besinnt sich der Bordcomputer jedoch.
Der V8 brummelt, die Klimaanlage läuft, die Restreichweite zeigt “17 Kilometer”. So schlecht in Mathematik in der Schule war, selbst ich kann ausrechnen – da besteht eine kleine Diskrepanz.
Don bummelt mit 110 km/h über die Autobahn. Eine vollkommen neue Herausforderung für einen 560 PS starken Motor. Wir hoffen, die neue Zylinderabschaltung lässt uns ein paar Liter Spielraum. Die Restreichweitenanzeige purzelt, purzelt, purzelt.
Unter “Sonderziele entlang der Strecke – Tankstellen” zeigt das Navigationssystem eine Tankstelle an. Entfernung: 24 Kilometer. Unser Ziel ist noch 23 Kilometer entfernt, die Anzeige der Restreichweite tickt unbarmherzig gegen Null.

Wie langsam kann man auf einer Autobahn mit diesem Auto fahren?
Die LED, welche den Füllstand des Tanks anzeigen, blinken jetzt rot. Die Reichweite steht bei Null. Unser Ziel ist noch immer 17 Kilometer entfernt. “Ich bin mit noch keinem Auto wegen fehlenden Sprits liegen geblieben”, sagt Don. “Ich schon”, Sage ich. Und erinnere mich an einen äußerst peinlichen Moment, als ich mit einem Renault 100 Meter vor der Tankstelle liegen bleibe – eine auf rot stehende Ampel auf einem Berg vor der Tankstelle besiegelte mein Schicksal.
Wir rollen mehr, als das wie fahren. “Segeln”, nennt man das im Jargon. Nähern uns dem Ziel mit stetig zunehmendem Galgenhumor. Diese Testfahrt zumindest ist besonders.
Wie groß ist die Reserve hier? Fünf Liter? Der Verbrauch? 9,8 Liter auf 100 Kilometer. Sollte reichen. Aber wie realistisch war noch gleich der EU-Norm-Test für Verbrauchswerte?
20 Kilometer, relativ eben, nur noch eine rote Ampel, dann zwei kleine Hügel, dann eine Tiefgarage als Ziel.
“Reststrecke: 6,7 Kilometer”
“Das hat was vom Erlkönig”, sage ich. Die Frage ist, ob unser Kind hier auf dem Hof noch leben wird.
Noch 4 Kilometer.
Langsames aufatmen.
Vor der Zielgeraden geht es noch in einer langgezogenen Kurve bergauf. “Bitter, würden wir jetzt hier liegen bleiben!”, kichere ich. Wir lachen beide. Wird schon!

Ich hatte mal einen Zafira. Der schrieb, war der Tank zu leer, dann ganz groß ins zentrale Display “Bitte tanken”. Quasi der letzte verzweifelte Hilferuf an die Mitfahrer, den Steuermann zum tanken zu bewegen.
Der Audi unterlässt derart.
Ein Zeichen, dass noch was geht? Oder tut er es einfach generell nicht?

Wir erreichen das Ziel, rollen auf den Stellplatz und jubeln leise. So muss sich jemand fühlen, der einen Marathon bewältigt hat.
“Alles gut?”, fragt uns einer der Betreuer, die die Autos wieder in Empfang nehmen. “Er ruft nach der Tränke”, sag ich mit einem Lächeln auf den Lippen. Nach einem Bericht über die letzten 30 Kilometer überlegt er scharf: “Was hat der denn als Reserve?”
Gute Frage. 17 Kilometer. Mindestens.
Denn den Weg zur fünf Kilometer weit entfernten Tankstelle am Münchener Flughafen hat der Audi-Profi noch geschafft. Fünfzehn Minuten später stand der Audi RS6 Avant wieder auf dem Platz. Vollgetankt. Einsatzbereit für die nächste Fahrt.
Die verlief dann etwas entspannter. Was sich dann für Eindrücke ergaben, ist hier zu lesen: Audi RS6 Avant im Test – Vaters neuer Liebling.

  • http://tblt.de/ Daniil Matzkuhn

    Eine coole Geschichte :D Hört man die Zylinderabschaltung eigentlich?

    • ThomasGigold

      Danke. Nein, von der Zylinderabschaltung hört und merkt man nichts – haben die Audi-Techniker scheinbar wirklich richtig gut hin bekommen (oder er schaltete bei uns einfach trotz der spritsparenden Fahrweise nie ab …).

  • http://www.baezol.de Daniel Bäzol

    Yeah … das nenne ich tapfer :D