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Autoterminal Bremerhaven

Autoterminal Bremerhaven – mit Suzuki im Autoparadies

Dieser Ort ist ein Paradies. Wenn man Nachts von Autos träumt, zumindest. Über wenige Plätze der Welt wird man sich als Autonarr mit so viel Staunen bewegen, wie durch das Autoterminal in Bremerhaven.
75.000 Autos im Wert von über 2 Milliarden Euro stehen hier. Und in allen liegen die Schlüssel.

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“Ich weiß nicht, was passiert – wahrscheinlich werden Sie erschossen”, sagt Jörg Machalitzky. Der Leiter Presse und PR von Suzuki Europa lacht. Aber sein Blick ist der von John Wayne, während er seinen Gegner auf der staubigen Straße einer Westernstadt fixiert – oder bilde ich mir das nur ein? Die Sonne zumindest steht an diesem Tag ebenso kochend über dem Himmel von Bremerhaven, wie in einem Westernklassiker zu High Noon. Und die Frage, auf die Machalitzky diese Antwort gibt, ist: “Was würde passieren, wenn ich mit einem dieser Autos jetzt aus dem Schiffs-Terminal fahren würde?”
Dabei ist die Frage rein hypothetisch. Allein schon die schiere Auswahl an Fahrzeugen, die hier im Hafen stehen, überfordert mich.
75.000 Pkw parken auf dem weitreichenden Gelände. Von Exporteuren ebenso wie von Importeuren. So zum Beispiel von Suzuki, die mich, Jan Gleitsmann, Jens Stratmann und Sebastian Bauer für einen Tag in dieses Paradies eingeladen haben. Wert aller Fahrzeuge hier: mehr als 2 Milliarden Euro. Und bei all diesen Autos sind die Türen offen und die Schlüssel liegen auf dem Beifahrersitz …

Ein Hochsicherheitsbereich ist dieser Umschlagplatz.
Unbekannte kommen hier nicht rein. Weder zu den Toren, noch über den Zaun: der ist drei Meter hoch und meldet jede stärkere Bewegung sofort an das Sicherheitspersonal.

Insgesamt 2,15 Millionen Fahrzeuge verschiedener Hersteller schlägt die Firma BLG Logistics, die das Terminal betreibt, in Bremerhaven pro Jahr um. Das lokale Unternehmen übernimmt dabei die Spedition der Fahrzeuge – vom Werk werden diese via Zug oder lkw hin zum Verladen auf die Schiffe verbracht, oder umgekehrt vom Schiff zum Händler. Dazu bietet BLG für die Hersteller auch Arbeiten an den Autos selbst an.

Willkommen in Europa, Suzuki Jimny

Für den japanischen Autobauer Suzuki ist Bremerhaven einer von zwei Anlieferungspunkten für den deutschen Markt. Im Norden kommen alle in Japan produzierten Fahrzeuge nach ihrer Seereise aus Asien an. Weiter südlich, in Kehlheim an der Donau, treffen alle Modelle aus der bulgarischen Produktion ein.
Aus den riesigen Frachtschiffen in Bremerhaven kullern die Autos wie Ameisen beim Sonntagsausflug aus dem Haufen im Wald. Lebten sie, es würde wohl Jubel unter ihnen ausbrechen – hier im Hafen sehen sie nach ihrer mehrwöchiger Reise im Bauch eines Frachtschiffes zum ersten mal wieder Sonne.

Dabei ist das Bewegen der Fahrzeuge nur eine von vielen Dienstleistungen der BLG Logistics.
Denn in den zwei Aufbereitungshallen auf dem Gelände werden die Fahrzeuge gereinigt, geprüft und mit den deutschen Handbüchern sowie zusätzlichem Zubehör ausgestattet. Manches Modell bekommt gar erst hier vor Ort gewisse Ausstattungsmerkmale. Eine Anhängerkupplung, zusätzliche Entertainment-Komponenten oder – wie bei jedem Suzuki, der ankommt – ein zusätzlicher Korrosionsschutz des Unterbodens werden den Autos zuweilen erst nach dem Entladen in Europa mitgegeben.
Zudem entstehen ganze Ausstattungslinien in den Hallen. Modelle wie der Suzuki Jimny “Ranger” zum Beispiel. Das Zubehör des Editionsmodells, u.a. eine Kofferraumwanne oder das an der Hecktür angebrachte Ersatzrad, bekommt der kleine Geländegänger erst nach dem Landgang an der Weser.

Nach dem umfangreichen Willkommens-Check verbleiben einige Fahrzeuge vorerst auf dem Gelände. Eine Großzahl der Importeure nutzen Bremerhaven heute nicht nur als Umschlag-, sondern auch als Lagerplatz. So stehen aktuell rund 1.700 Suzuki im Hafen, welche in der Regel im Zeitraum von sechs bis acht Wochen durch die Händler abgerufen werden. Insgesamt 14.000 Fahrzeuge pro Jahr holt Suzuki so über die Nordsee nach Deutschland.

Überwältigende Anzahl neuer Autos

Es ist die schiere Masse, die einen Besucher am Auto-Terminal erschlägt. 75.000 Fahrzeuge, die wieder auffindbar auf 2,4 Millionen Quadratmetern verteilt stehen.

Mit einem kleinen Bus fahren wir durch das Labyrinth aus Strassen auf dem Terminalgelände. Aus einem Meer an Hyundai-Modellen heraus durchqueren wir unendliche Reihen von in weiße Gewänder gehüllten Audis, hin zu einer aberwitzigen Anzahl von BMW-Modellen, die in Deutschland erst in den nächsten Monaten auf den Markt kommen.
Überhaupt: BMW …

BMW als größter Importeur in Bremerhaven

Das Terminal in Bremen ist in zwei Bereich aufgeteilt: Import und Export. Fahrzeuge aus Asien oder den USA kommen hier an, Fahrzeuge deutscher Hersteller gehen von hier hinaus in die Welt.
Dies führt in einer globalisierten Produktion zur absurden Situation, dass die VW Group, Mercedes und BMW nicht nur die größten Exporteure sind. Mit mehr als 90.000 Fahrzeugen im Jahr ist BMW in Bremerhaven gleichzeitig auch der größte Importeur.

Dabei verzerrt das Bild hier ein wenig die Wirklichkeit. Denn Suzuki zum Beispiel holt über Bremerhaven nur rund 35% seiner Fahrzeuge, der weit größere Teil kommt über die Donau. Auch Toyota fehlt, weil man Bremerhaven nicht als Umschlagplatz nutzt.

Bei der Reise durch das Terminal wandern die eigenen Blicke aufmerksam durch die Reihen. Hier sieht man bekannte Modelle in Massen wie nie zuvor. Und unter ihnen jede Menge Exoten.
Modelle von Dodge oder Cadillac ebenso wie Dutzende Chevrolet Camaro oder Ford Mustang. Die meisten davon werden von Bremerhaven in andere europäische Länder gebracht, oder gehen an in Deutschland stationiere Mitglieder der US-Streitkräfte.
Es scheint am Ende jedoch, als gäbe es hier keine Grenzen. Was man sich an Fahrzeugen erdenken kann, steht hier bestimmt auch irgendwo … Und irgendwann am Ende der langen Tour über das riesige Gelände, fragt man sich: Ob hier irgendwo nicht doch ein Fahrzeug steht, dass man vor Jahren mal vergessen hat?

Die Frage beantwortet unser Führer durch diesen Dschungel: “Wo Menschen sind, da passieren Fehler, klar. Aber, dass mal ein Auto falsch oder nicht verladen wird, passiert angesichts der Stückzahlen hier so selten, dass wir es statistisch nicht erfassen können. Ebenso wie Schäden beim verladen – die liegen unter 0,1 Prozent.”
Das sagt er nicht ohne Stolz. Die Mitarbeiter hier sind Profis. Der Traumjob, bei dem man täglich neuste Autos fahren kann, hat wenig mit Traum und viel mit Konzentration und Verantwortung zu tun.

Am Ende der Tour bleibt mein Blick an einem der riesigen Containerschiffe hängen. Bis zu 6.000 Pkw können diese Giganten laden. Steht man vor ihnen, blickt man entlang einer mehrere Etagen hohen Stahlwand in den Himmel. Man kommt sich hier im Autoterminal in Bremerhaven nicht nur klein vor. Man ist es. Hier regiert das Auto in einer Art, wie wohl an nur wenigen anderen Orte. Ein automobiler Mikro-Kosmos. Und ich durfte für einen Tag in ihn tauchen … Wunderbar. Danke, Suzuki.

Einige Fotos habe ich natürlich auch mitgebracht …

Weitere Berichte zum Besuch, findet ihr bei den Kollegen:
Wie kommt eigentlich ein Suzuki nach Deutschland, rad-ab
Mit Suzuki zu Besuch bei Europas größtem Autoterminal in Bremerhaven, auto-geil