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Special - Roadtrip durch Schweden: Verfolge meine Nord-Tour mit einem BMW 5er Gran Turismo. Viel Spaß beim Lesen!

Fünf (+ ein) Fakten über Schweden, die man wissen sollte

Wenn man eine Zeit lang in Schweden ist, lernt man das Land zu lieben. Unser Roadtrip hat mir mal wieder bewusst gemacht, dass ich nicht nur das ländliche Schweden mag, sondern auch das soziokulturelle. Hier ein paar Punkte, die vielleicht helfen, Schweden verstehen zu lernen – gänzlich Köttbullar-, aber nicht Ironie-frei …

Schweden lieben Fika
Fika ist für die Schweden, was für die Briten der Fünf-Uhr-Tee. Nur, dass man Fika immer abhalten kann.
“fee-ka” ist im Schwedisch ebenso Verb wie Substantiv, und bedeutet im Grunde, eine Kaffee-Pause mit jemand Anderem zu haben – Familie, Freunde, Kollegen. Es ist eine Auszeit, mit einem Kaffee und meist auch etwas Kleinem zu essen. Zum Beispiel einer Kanelbulle, Smörgås oder Keksen – dem sogenannten Fikabröd, oder doppa (“Tunkgut”).
Fika ist ein Non-Date-Date. Verabreden sich also zwei Menschen zu einer Fika, ist es kein Date, aber trotzdem ein nennenswerter sozialer Austausch. So kann man beispielsweise auch Nachbarn zu eienr Fika einladen, ohne zu hohen Druck aufzubauen – wichtig zu wissen, denn Schweden sind zurückhaltend, aber dazu später mehr.
Fika ist lagom, um Jemanden kennen zu lernen, oder eine unverbindliche Pause einzulegen. Was lagom ist, weiter unten steht es …

Wetter geht immer
Weil das Väder in Schweden vor allem aus Wolken besteht, reden Schweden gern darüber, wie es ist, sein könnte und wird. Bedeutet: Wenn die Sonne scheint, ist das ein wichtiges Thema. Wenn sie nicht scheint, ist es mindestens ebenso wichtig, weil sie es ja nicht tut.
Schweden können immer über das Wetter reden, und lassen bei den ersten Sonnenstrahlen alles stehen und liegen.
Insbesondere bei einer Fika sollte man darauf vorbereitet sein, sich über das Wetter austauschen zu können. Nichts darüber zu wissen, oder sagen zu können, bedeutet: nicht von dieser Welt zu sein. Wetter ist nicht nur ein Smalltalk-Thema, es ist das Thema.
Was man übrigens nicht fragen sollte: Ob es dem Gegenüber kalt ist. Schweden sind Wikinger, die würden nie zugeben, dass es kalt ist. Det finns inget dåligt väder, det finns bara dåliga kläder – was so viel bedeutet wie: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.

Lagom ist eine Lebenseinstellung
Lagom beschreibt die Gerechtigkeitseinstellung der Schweden – es bedeutet soviel wie “genau richtig” und drückt die “Bevorzugung des gesunden Mittelmaßes” aus, wie es Wikipedia beschreibt.
Es bedeutet, dass Schweden es mögen, wenn etwas nicht zu extrem, übertrieben oder zu wenig von etwas ist, eben lagom. Schweden ist es unangenehm, wenn Jemand bevorzugt werden könnte, oder jemand zu dick aufträgt. Die Kunst ist also, “genau richtig” – oder eben: angepasst – zu sein. Dabei kann jede Art von Zustand lagom sein: Wetter, Geschwindigkeit, Essensportionen, Kleidung, Verhalten, …

Gerechtigkeit ist wichtig
Dem Schweden als solchen ist Gerechtigkeit wichtig. Niemand soll benachteiligt werden, niemand soll das Gefühl haben “weniger wert” zu sein, als jemand anderes. Das ist ein hochgradig sozialistischer Gedanke, und der, weshalb es zum Beispiel kein direktes Steuergeheimnis gibt: als Schwede kann man direkt abfragen, was der Nachbar an Steuern bezahlt.
Gerecht muss es zum Beispiel auch im Supermarkt zugehen: Man stellt sich brav in der Schlange an und türmt seinen Einkauf nicht aufs Band, wie in Deutschland. Man legt die Artikel hintereinander, möglichst mit dem Barcode zur Kassiererin gedreht, damit der/die Kassierer/in es einfach hat.
Und deswegen befolgen Schweden auch möglichst alle Vorschriften, bis auf die zum Thema “Eigentum”: ‘Piratebay’ kommt aus Schweden, und das beschreibt eben das Verhältnis recht gut. Kleinere Diebstähle oder Einbrüche in Ferienwohnungen werden von der Polizei meist nicht mehr verfolgt….

Schweden sind schüchtern
Schweden sind grundsätzlich so offen wie möglich, wenn es der Gerechtigkeit dient. Aber sie sind auch zurückhaltend gegenüber Fremden. Das bedeutet nicht, dass sie nicht herzlich sind – sie freuen sich, wenn man Kontakt aufnimmt. Aber den muss man eben herstellen, von selbst kommen sie eher nicht auf die Idee.
In öffentlichen Verkehrsmitteln sollte man die Privatsphäre respektieren, man setze sich möglichst nicht direkt neben Jemand fremden.
Wenn man Kontakt herstellen will, fängt man am Besten über das Wetter an zu reden, bevor man im nächsten Schritt zu einer Fika einlädt. Nicht zu einem Barbecue oder Dinner, nicht als Auftakt! Oh, und nicht darüber reden, dass man stolz sein kann, auf Schweden. Schweden sind stolz, das zeigen die vielen Flaggen, die insbesondere im ländlichen Schweden wie selbstverständlich an jedem Haus hängen. Aber sie reden nicht gern über “Stolz”, das ist nicht lagom, und wäre den ausländischen Mitbürgern gegenüber ungerecht.

Zusatzfakt:
Bollen är rund
Alles kann passieren – “der Ball ist rund”. Das ist nicht nur eine beliebter Ausspruch in Schweden, sondern eine Lebenseinstellung. Schweden sind entspannt, und wenn etwas passieren soll, wird es eben auch passieren – mit, oder ohne Hilfe von aussen. Man muss also selbst zum Spieler werden, statt darauf zu hoffen, den Ball zu bekommen. Klingt anstrengend, ist in der Tat aber entspannend. Steuererklärungen kann man übrigens via SMS abgeben, quasi. Minimalaufwand ist eine Lebenseinstellung. Warten auch. Auf Handwerker zum Beispiel, bei denen man schon mal ein halbes Jahr auf den Termin für die Badezimmerrenovierung warten darf … Mit der Lebenseinstellung muss man klar kommen, auf der anderen Seite erdet diese selbst den gestreßten Schwedisch-Einwanderer aus Deutschland und bringt ihn zurück ins Leben. Job ist nicht Alles, Wetter ist es.

Zusatzwissen:
Wichtige schwedische Wörter
Allemansrätten ist das Recht, dass Jedem garantiert, sich frei in Schweden bewegen zu dürfen. Man darf auf Berge klettern, in Seen schwimmen, wild campen und gar Grundstücke durchqueren. Pflicht dabei jedoch: Natur und Menschen zu respektieren.

Kanelbulle sind Zimtschnecken. Schweden sind verrückt nach Lakritz (vorrangig in Verbindung mit Salz), Zimt und Kardamom. Wenn jemand irgendwann Kaffee mit Lakritz-Zimt-Kardamom-Geschmack erfindet, Schweden ist der Markt dafür! Die Zimtschnecke ist eine schwedische Institution, mit dem 4. Oktober hat sie seit 1999 gar ihren eigenen “Feiertag”. Das “@”-Zeichen wird in Schweden übrigens auch ab und zu als Kanelbulle bezeichnet, obwohl es snabel-a heißt.

hastighetsgräns, die Geschwindigkeitsgrenze beim Autofahren ist ein sensibles Thema in Schweden. Während man in hier in Tyskland auf Autobahnen fri fart hat, gibt es in Schweden strenge Grenzen (Stadt 50 km/h, Land 70 km/h, Autobahn 110 km/h). Die Überschreitung kann recht teuer werden, weshalb man als Ausländer aufpassen sollte. Während es unter den Schweden vorrangig zwei Typen Fahrer gibt: jene, die 10 km/h langsamer und jene, die 20 km/h schneller sind, als erlaubt. Am besten orientiert man sich aber an den Langsamen …

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Schweden. Wie nie zuvor. 4.000 Kilometer durch Nordeuropa - von München über Hamburg, zur Nordspitze von Dänemark und rüber nach Stockholm. Alles mit dem neuen BMW 5er Gran Turismo. Viel Spaß beim Lesen!

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Quelle Flaggenbilder: Deutschland, Dänemark, Schweden - jeweils CC Lizenz