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Toyota Verso 2013

Toyota Verso 2013 im Test: Überzeugender Familienvan.

Was kann ein Auto mit sieben Sitzen auf der Fläche eines VW Golfs bieten? Der neue Toyota Verso will es zeigen: Genug für eine ganze Familie. Wenige Wochen vor der Händlerpremiere war ich mit dem überarbeiteten Kompakt-Van unterwegs. Meine Eindrücke.

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Was kann ein Auto mit sieben Sitzen auf der Fläche eines VW Golfs bieten? Der neue Toyota Verso will es zeigen: Genug für eine ganze Familie. Wenige Wochen vor der Händlerpremiere war ich mit dem überarbeiteten Kompakt-Van unterwegs. Meine Eindrücke.

Wenn Familien wachsen, ändern sich die Ansprüche. Auch an ein Auto. Wo (für den Vater) vorher hier Fahrdynamik und ein Fahrersitz mit gutem Seitenhalt reichten, zählen mit dem Zuwachs an Familienmitgliedern plötzlich andere Dinge.
Ist in der hinteren Reihe Platz genug für einen dieser riesigen Kindersitze? Und kann ich den einfach integrieren? Passt in den Kofferraum ein Kinderwagen? Reicht die Klimaanlage bis auf die Rückbank?

Familienauto für den urbanen Raum

Die besten Autos für die kleine Familie mit einem oder zwei Kindern wollen heute “Minivans” sein – kompakte Fahrzeuge, die problemlos in städtische Parklücken passen, im Inneren aber mit fünf bis sieben Einzelsitzen genügend Platz für Familie und mal einen Freund oder Oma und Opa bieten.
In diesem Segment ist der Toyota Verso daheim. Mit 4,46 Metern Länge ist er weder zu groß, noch zu klein.

Mittlerweile in der dritten Generation baut Toyota den kompakten Verso. Nach drei Jahren nun erfährt die aktuelle Generation eine gründliche Überarbeitung. Und bei der ist es nicht mit ein paar neuen Nebelscheinwerfern und einer zusätzlichen Chrome-Spange am Kühlergrill getan. Die Ingenieure bei Toyota haben ordentlich Hand angelegt. Neue Front, neues Interieur, viel Verbesserungsarbeit bei der Lärmdämmung und ein rundum überarbeitetes 2.0-Liter-Diesel-Aggregat spendiert Toyota seinem Familien-Laster zur Lebenshalbzeit.

Am Auffälligsten beim “Erstkontakt” ist das neue Gesicht des Versos, welches sich sich optisch dem Auris nähert. Das wirkt frischer und dynamischer als bisher. Ein kleiner Heckspoiler und ein angedeuteter Diffusor am Heck sollen dem Toyota zudem sportliche Akzente verleihen.
So steht mit dem Verso – gegeben am geringen Spielraum, den die Designer bei einem Auto wie diesem haben – ein optisch gelungenes und jugendlich wirkendes Auto auf der Straße.

Toyota Verso: Flexibilität überzeugt

Mein Testwagen ist ein Siebensitzer – oder besser, ein 5+2 Sitzer. Man kennt das aus dem Segment mittlerweile: Fünf Einzelsitze, die ausreichend Platz bieten plus zwei optional sich aus dem Kofferraum-Boden erhebende “Notsitze”. Die sind beim Verso vollständig versenkbar und stören damit im Alltag nicht. Will man allerdings Platz auf ihnen nehmen, sollten die Gelenke noch nicht zu eingerostet sein – der Einstieg ist mühsam und erfordert etwas Sportlichkeit. Ausserdem füllen die Sitze ausgeklappt den kompletten Kofferraum aus – nur noch rund 170 Liter bis zu Fensterkante bleiben übrig, nicht gerade üppig.

Die fünf “Stammsitze” sind in Sachen Sitzkomfort in Ordnung. Sie bieten einen guten Seitenhalt, sind strapazierfähig und einzeln verstellbar – die beiden Vordersitze auch in der Höhe. Bei der ersten Sitzprobe im neuen Verso wirkten die Sitze unbequem, eher wie in einem Transporter denn Pkw. Doch das täuscht: auch nach den rund 200 Test-Kilometern (mit Pausen) sitze ich noch immer bequem und ohne Beschwerden hinter dem Lenkrad. So kann der erste Blick doch täuschen …

Von den drei hinteren Einzelsitzen bieten die beiden äußeren eine Isofix-Halterung, lassen somit die schnelle Einbindung von zwei Kindersitzen zu. Beim mittleren Sitz ist die Gurtführung sehr gut, so dass sich auch hier recht bequem ein Kindersitz anbringen lässt oder ein größeres Kind sich selbst anschnallen kann. Zudem sind alle fünf Hauptsitze einzeln verstellbar – ein absolutes Plus.

Was hingegen – und da kommen wir zu den zu Beginn angesprochenen Bedürfnissen – in der hinteren Sitzreihe mangelt: Lüftungsschlitze der Klimaanlage. Die sind nämlich einfach nicht vorhanden. Ob die drei kleinen Lüfter auf dem Armaturenbrett an Hochsommertagen dann ausreichend Wirkung entfalten, vermag ich nicht einzuschätzen; es machen sich jedoch leichte Zweifel daran breit.

Französisches Flair im Japaner

Hinter dem Lenkrad fallen die mittig angeordneten Armaturen auf. Eigentlich gänzlich französisch, kennt man dies doch eher von Citroën und Renault. Insgesamt werde ich davon allerdings kein Fan. Die Anordnung von Tacho und Anzeigen in der Mitte mag schick aussehen, erschwert den Blick auf die wichtigen Daten jedoch ungemein, da sie sich nicht mehr in der konzentrierten Blickrichtung befinden. Man muss den Blick so immer nach rechts unten senken. Am Ende ist es sicherlich nur eine Gewohnheit, während des Probetages jedoch will sich die bei mir nicht so recht einstellen.

Weniger in der Handhabung, sondern vor allem optisch, irritierend ist zudem die mittlere Lüftungsklappe. Sie fällt zur Mitte hin ab und wirkt somit schief. Aussergewöhnlich.

Pragmatischer Diesel

In meinem Verso arbeitet der überarbeitet 2.0-Liter-Diesel. In der Broschüre zum frischen Toyota haben sich die Werbetexter zur Aussage hinreißen lassen, der Verso wäre eine neue Art der Dynamik. Ich bin gespannt, als ich einsteige. Und komme schnell zu Ernüchterung.

Natürlich stellt sich die Frage, wie dynamisch ein Kompaktvan überhaupt sein kann. Denn allein schon seine Bauweise und das potentielle Gewicht mit sieben Personen an Bord schränken die Möglichkeiten hier ein. Doch der 2.0-Liter-Diesel ist weit weg von jeglichem Dynamik-Gefühl. Zwar liegt das maximale Drehmoment von 310 Nm bereits bei 1.600 Umdrehungen an, aber überzeugen mag er damit sportlich nicht. Zudem nagelt er während des ganzen Tages dermaßen laut vor sich hin, dass man sich über den hervorragenden Abroll-Wert des Verso freut. Wenn der kleine Riese nämlich ohne Gasgeben über die Straße rollt, schweigt auch der Diesel mal und gönnt den Ohren eine Ruhepause.

Toyota sagt, dass man bei der Überarbeitung des neuen Verso viel Arbeit in die Dämmung gesteckt hat. Und tatsächlich hört man bei geschlossenem Fahrzeug von aussen angenehm wenig. Allerdings hätten die Ingenieure ihrem Verso auch im Motorraum etwas mehr Dämmung spendieren können – den Motorraum trennt vom Armaturenbrett allein das gegebene Blech und zwei Millimeter Dämmmaterial. Für ein Familienauto in meinen Augen weit zu wenig.

Auch das Ansprechverhalten des Diesels ist nicht wirklich überzeugend. Das Aggregat gibt sich fast altbacken – zwar liefert er über die gesamte Drehzahl hinweg zufrieden stellende Werte, ein Sportler ist er allerdings nicht; selbst wenn man das Gewicht des Verso berücksichtig.

Was hingegen positiv ist: Auf der Autobahn wird der Diesel nicht lauter. Das auf der anderen Seite zeigt auch nur, dass er schon im unteren Geschwindigkeitsbereich viel zu laut ist.

Verso kein Prius

Toyota hat sich mit dem Prius und seinen Hybrid-Versionen von Auris und Co. den Ruf des Autobauers eingehandelt, der als umweltbewusster Technologievorreiter voran geht. Beim Verso bricht man damit. Denn während man angesichts des siebensitzigen Prius+ noch nachvollziehen kann, dass es den Verso nicht in einer Hybrid-Versio geben wird, ist eine andere Entscheidung nicht wirklich nachvollziehbar. Ein Start-Stop-System ist für den Verso nämlich nicht vorgesehen. Weder serienmäßig noch gegen Aufpreis erhält man den Familien-Van mit der Spritspar-Technologie. Ein “am Markt nicht kommunizierbaren Aufpreis” nennt Toyota als Grund.

Auch sonst ist das Paket an optionalen Erweiterungen für den Verso überschaubar. Wo andere Hersteller selbst den Heckscheibenwischer aufpreispflichtig machen, gibt sich Toyota übersichtlich: Neben der Basis-Version gibt es drei Ausstattungslinien mit nur wenigen Erweiterungsmöglichkeiten.

Das führt dann allerdings auch zu so seltsamen Dingen, wie dem, dass das bessere Navigationssystem “Touch Pro” nur in der höchsten Ausstattungslinie erhältlich ist. Was somit quasi einem Aufpreis von 7.500 Euro für das Navigationspaket gleichkommt – auch, wenn dann natürlich weitere Ausstattungsdetails mit ins Auto wandern.

Fazit Toyota Verso 2013

Mit der umfangreichen Überarbeitung reagiert Toyota auf die wachsenden Ansprüche der Kundschaft. Der Toyota Verso kann im Modelljahr 2013 durchaus überzeugen: Für den Einstiegspreis von 21.150 Euro bietet er einer jungen Familie ein gutes, maximal variables Auto.

Einzige Kritikpunkte im Inneren sind die in der Mitte angeordneten Armaturen sowie die eher semi-hilfreiche Schalt-Zeitpunkt-Angabe.

Dafür gibt es selbst im Fond absolut ausreichend Platz – bei der Sitzprobe ist in der zweiten Sitzreihe noch ausreichend Beinfreiheit. Die optionalen zwei Sitze im Kofferraum sind hingegen tatsächlich nur Notsitze, lange Fahrten sollte man Passagieren dort nicht zumuten. Legt man die beiden hinteren Sitzreihen um ergibt sich ein nahezu ebener Boden, der auch grössere Einkäufe im Möbelhaus schluckt – gut 1.700 Liter bekommt man dann unter.

Pluspunkte sind ebenso die Ablagemöglichkeiten. In der Mitte gibt es zwei große Becherhalter, unter der Mittelarmlehne findet selbst eine 1,5 l-Flasche plus Taschentücher-Packungen und Knaberzeug noch ausreichend Platz und das Handschuhfach kann abhängig von der Einstellung der Klimaanlage gekühlt werden. Etwas weniger schön ist die billig wirkende Plastik der Mittelkonsole sowie die unverständliche Entscheidung, weshalb man dem Armaturenbrett nicht wie bei Citroen weitere Ablagefläche gönnt, wenn man die Armaturen schon mittig setzt.

Unter dem Rückspiegel befindet sich zudem noch ein ausklappbarer Innenspiegel, der den Blick auf die hinteren Sitzreihen zulässt – Eltern werden es zu schätzen wissen.

Im Testreigen fehlte leider ein Benziner, gern hätte ich diesen mit dem doch recht lauten Diesel verglichen. Vielleicht gibt es hier zum Marktstart von Toyota noch die Chance. Ist der Diesel nämlich aus, ist der Verso ein wunderbar leise zu bewegendes Fahrzeug. Der Rollwiderstand ist gering, was beim Tanken freut, die Lenkung präzise und das Fahrwerk durchaus gelungen ausgelegt – selbst größere Unebenheiten schluckt der Verso, ohne dabei in der Kurve zu schwimmen, weil das Fahrwerk zu weich ausgelegt wäre.

Rund 7.000 Verso hat Toyota in 2012, vom Neuen will man bereits in diesem Jahr 8.200 an Kunden vermitteln. Das könnte gelingen, denn mit dem Verso liefert Toyota ein gelungenes Familienfahrzeug, das Familien auf jeden Fall in die engere Auswahl nehmen sollten.

Andernorts zum neuen Verso:
Weitere Eindrücke vom Toyota Verso gibt es hier:
Die Testfahrer: Toyota Verso 2013 – Überzeugender Kompaktvan für Pragmatiker
Autophorie: Ersteindruck: Toyota Verso 2.0 D-4D