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Unterwegs mit dem BMW X6 M50d – Boxer im Maßanzug

Der neue BMW X6 M50d ist da. Die erste Testfahrt des Neuen findet an seiner Geburtsstätte in den USA statt. Und hier zeigt der BMW, dass sich ein Kampfgewicht von 2,2 Tonnen mit Sportlichkeit und Stil vereinen lässt. Wenn man Exzentriker mag.

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„Do you take photos of your car?“, fragt die Dame mit der Zigarette in der Hand, die neben mir am Eingang des Restaurants steht. Sie lacht: „Must be a guy thing!“
Wir kommen ins Gespräch. Ich, der den BMW X6 hier abgestellt hat, weil die US-Flagge am Eingang gerade in der richtigen Höhe weht. Sie, die im Mountain House at Caesars Head arbeitet.
„I see a lot of BMW here“, sagt sie und fügt an, dass hier oben im Wildreservat, rund eine Stunde von Spartanburg entfernt, BMW Clubs oft ihre Ausfahrten unternehmen.
Schöner wird man die USA kaum antreffen, als im Grenzgebiet zwischen dem nördlichen und südlichen Carolina – der Goldene Herbst hat das Gebiet aktuell fest im Griff. Und während mein Blick auf den roten BMW X6 M50d schweift, erwähnt meine Gesprächspartnerin, gar deutsche Wurzeln zu haben – „like your car!“.

Mit der Aussage zu den deutschen Wurzeln hat sie mehr Recht, als sie vielleicht ahnen mag. Denn wie die Betreiberin des höchsten Restaurants in South Carolina hat der BMW X6 zwar deutsche Großeltern, ist aber ein ganz amerikanisches Gewächs.
Hier im Herzen der USA liegt die Heimat des bulligen Sports Activity Coupé.

Ich werde auf ein Stück Kuchen eingeladen: „You have to try it! It’s the best fudge!“ Nach wenigen Minuten mag ich zustimmen und steige mit 81,5 Kilo Eigengewicht sowie einigen Gramm Toffee Nut Fudge mehr im Magen wieder ins Auto. Über 2,2 Tonnen wiegt der neue BMW dann immerhin.
Ein kleiner Panzer – in der Form eines Coupés, mit der Kraft eines Sportlers. Als M Performance Car wummert im BMW X6 M50d der einzige Tri-Turbo-Diesel der Welt. 280 kW (381 PS) und 740 Newtonmeter leistet der 3,0 Liter Reihen-Sechszylinder. Leistungswerte, bei denen weder das Leergewicht noch meine etwas zu viel am Körper befindlichen Kilo als Belastung für das M-Aggregat angesehen werden können.

BMW X6 M50d – auch in Generation 2 ein Provokateur

Am BMW X6 scheiden sich die Geister. Entweder man liebt ihn, oder man hält ihn für das unsinnigste Auto unter Gottes weitem Himmel. Dabei stellt sich die Frage nach Sinn oder Unsinn überhaupt nicht. Insgesamt 260.000 Fahrzeuge hat BMW von der ersten Generation verkauft – ein Erfolg, der wohl auch so manchen Manager in München überrascht haben dürfte.
Da verwundert es kaum, dass man nun eine zweite Generation präsentiert. Mit der darf ich die ersten Meilen direkt am Geburtsort zurück legen – in Spartanburg, South Carolina.

Der Palmetto State ist, wie man sich die USA aus all den Fernsehserien und Filmen vorstellt: die typischen Häuser mit Vorgarten, breite Straßen mit geringen Tempolimits und überall steht irgendwo ein Denkmal und weht wenigstens eine US-Flagge im Wind. Hier bist du im Herzen der USA unterwegs.

Und so amerikanisch der BMW X6 dann auf uns Europäer wirken mag, weil er groß, vermeintlich unsinnig und egozentrisch ist, so unamerikanisch ist er dann vor Ort in den USA. Gegenüber all den Dodge RAM-, Chevrolette Silverado- oder Ford F-Modellen wirkt er mit seinen 4,90 Metern Länge und 1,70 Metern Höhe noch immer klein.

Trotzdem ist der Hauptabsatzmarkt für den BMW tatsächlich auch die USA – neben China, dem nahen Osten und Russland sowie Europa.

BMW X6 M50d – Erster Fahreindruck

Die breiten Straßen laden ein. Und so sammle ich Meilen. Mit dem BMW X6 M50d geht es raus aus dem Städtemisch von Greenville und Spartanburg – über die Interstate 288 in den Table Rock Park, von dort über die 178 in den Caesar-Head-State-Park und auf der Interstate 276 zurück.
Hier wartet nicht nur ein buntes Herbstschauspiel auf mich, sondern auch die ein oder andere enge Serpentine.
Und genau in der zeigt der BMW X6 M50d, aus welch widerstandsfähigem Holz er geschnitzt ist. Kaum in den Sport Modus geschaltet zirkelt das BMW Kraftwerk die über zwei Tonnen mit einer Leichtigkeit und Präzision um noch so enge Kurven – ich bin erstaunt. In nur 5,2 Sekunden beschleunigt das Aggregat unter der Haube das SAC – Zeit genug, um vor der nächsten Kurve die großen Bremsen zu fordern. So geht es Kurve um Kurve. Wäre da nicht der Gedanke an das Wenige, was aus dem Physikunterricht hängen blieb – irgendwas mit Maße mal Beschleunigung -, ich bin mir sicher im Notfall würde der X6 gar die Kurven etwas schneller absolvieren als es meine Vernunft zulässt …

Das Fahrwerk sitzt einfach perfekt. Zu keinem Zeitpunkt hast Du das Gefühl, die Kraft würde dich überfordern – auch, wenn sie dich permanent herausfordert. Du vergisst nicht, in was du sitzt, doch was die Ingenieure hier auf die Räder gestellt haben lässt dich so manch sportlichen Mittelklasse-Wagen vergessen. Dazu trägt neben dem Motor mit schnellem Ansprechverhalten und ausdauerndem Leistungsplateau vor allem auch das adaptives M Fahrwerk inklusive dynamischer Dämpferkontrolle und Wankstabilisierung bei. Das hat den X6 hervorragend im Griff – kein Schaukeln, kein Schieben, kein Abweichen vom Kurs. Der BMW X6 M50d liegt wie ein Stein auf der Straße – einer mit dem Triebwerk des bezeichnungsgleichen einstrahligen Mehrzweckkampfflugzeugs ‚Fighting Falcon‘ – beide teilen sich die Baubezeichnung F16. Im Gegensatz zum Kampfjet der U.S. Air Force allerdings kannst du dem BMW so einiges zumuten, ohne das dich kleine Fehlbewegung umbringen.

Der BMW X6 M50d ist kein Sportcoupé. Aber er ist dank hervorragendem Motor, gutem Fahrwerk, stabiler Software und Allradantrieb xDrive der Maßstab für eine Klasse von Fahrzeugen, die wir bald wachsen sehen werden. Noch ist er einigermaßen wettbewerbsfrei – doch dabei wird es nicht bleiben.
Als SUV kann ihn heute wenig aus der Bahn stoßen – dazu wirst du schon Gewalt anwenden müssen. Trotzdem bevormundet er dich nicht.

Ob die Käufer den neuen BMW dann tatsächlich so brachial fahren, wie es hier im BMW Performance Center auf dem Testparcours möglich ist, ist eine andere Frage. Den BMW X6 kaufst du, weil er anders ist. Weil er der Gegenentwurf zum BMW 7er ist – er ist aufdringlich, exzentrisch und lauter.

Die Inneren Werte des BMW X6 M50d

Laut muss es aber nicht zugehen. Die letzten Kilometer zurück nach Spartanburg lege ich im Comfort Modus zurück und genieße die Ruhe in dem wertigen, lederbezogenen Interieur. Goldene Blätter wehen über die Fahrbahn, Country Musik tönt durch die Bang & Olufsen Anlage.
Serienmäßig ist die nicht, dafür allerdings das Automatic Getriebe (der M50d ist nicht mit manueller Schaltung, dafür allerdings mit Schaltwippen erhältlich) sowie die Park Distance Control. Dazu würde ich den Surround View oder zumindest die Rückfahrkamera empfehlen. Zwar steigt das Heck des BMW X6 nicht mehr ganz so steil auf wie beim Vorgänger, der Ausblick nach hinten ist trotzdem nach wie vor minimal.
Ebenfalls inklusive beim M50d ist das M Aerodynamik-Paket – dem flamencoroten Testwagen steht das ausgesprochen gut, wenn ich auch zugeben muss, dass das serienmäßige Auftreten des Neuen selbst ohne M Paket schon hervorragend gelungen ist.
Insgesamt kann sich der Ausstattungsumfang des knapp über 87.000 Euro teuren X6 M50d sehen lassen. Trotzdem lässt sie sich der Preis natürlich ohne Weiteres auf 125.000 Euro erhöhen – exklusive Anhängerkupplung, die es für rund 1.200 Euro allerdings noch obenauf gibt, sofern man mag.

Fazit – BMW X6 Fahrbericht

Er hat nichts eingebüßt von der Extrovertiertheit. Wenn man dem neuen BMW X6 etwas vorwerfen kann, dann, dass er dem X5 in der Frontgestaltung etwas zu nah gerückt ist. Damit hat BMW ihn von vorn etwas gewöhnlicher gemacht, die unverwechselbare Seiten-Silhouette aber haben sie ihn zum Glück gelassen – ebenso wie den in manchen Augen seltsam wirkende Misch-Anblick aus SUV und Coupé.
Persönlich kann ich mich am BMW X6 tatsächlich nicht satt sehen, aber darüber werden wir wohl auch bei Generation drei noch streiten. Der X6 ist kein Auto für Jedermann – weder vom Preis, noch vom Typ.
Der BMW X6 M50d überzeugt im Test. Er ist ein Provokadeur, in der zweiten Generation schon aus Prinzip. Dieses Auto kaufst du aber eben auch nicht aus Vernunft – und wenn du doch genau die vielleicht noch irgendwo verargumentieren musst, greifst du zum M50d. Massig Freilauf für den X6, und doch einigermaßen vernünftige Werte, was den Verbrauch angeht. Mich fasziniert der. Und als ich in die kleine Boeing-Maschine einsteige, die mich von Spartanburg wieder in Richtung Heimat fliegt, frage ich mich, ob ich 2,2 Tonnen nicht doch irgendwo noch verstauen könnte …

Der BMW X6 steht weltweit ab dem 6. Dezember bei den BMW Händlern. Die Basis-Variante kostet ab 65.650 Euro, den BMW X6 50i gibt es für 82.500 Euro, den M50d ab 87.300 Euro.

Weitere Testberichte zum BMW X6 gibt es unter anderem bei
Bjoern Habegger: Erste Fahrt: BMW X6 M50d
Bimmertoday: Fahrbericht BMW X6 M50d F16: Der Weitermacher
Ausfahrt.tv: BMW X6 F16 xDrive50i V8 – Fahrbericht
Jens Stratmann: Probefahrt mit dem BMW X6 4.4 Liter V8

  • lenn_rt

    Klasse Fotos von einem tollen Auto!