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Audi A3 Sportback

Sportlich vernünftig: Audi A3 Sportback

Berg rauf – Berg runter. Den Audi A3 Sportback habe ich einige Wochen vor dem aktuell anstehenden Marktstart in Monaco zum zweitägigen Test bewegen dürfen. Wie sich der Fünftürer aus Ingolstadt schlägt, wenn man neben dem Alltagsnutzen auch den sportlichen Anspruch nicht zurück schrauben will? Ich habe es ausprobiert und bemerkt: Sportlicher muss ein vernünftiges Auto eigentlich nicht sein.

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Monaco ist die Stadt für auffällige Menschen. Und genau deshalb auch der perfekte Ort für ein vollkommen uneitles Auto. Eines, wie es der Audi A3 Sportback ist.
Zu dessen Präsentation hatte Audi in das Fürstenreich geladen.

Von hier geht es mit dem kompakten Fünftürer ins Hinterland. Weg von den engen Gassen, hin auf enge Bergpässe.
Ich schraubt mich mit dem Audi den Col de Brause hoch – Serpentine um Serpentine. Hinauf auf knapp 1.000 Meter. Früher war diese Passstraße ein wichtiger Durchtrittspunkt auf der Salzstraße von Nizza nach Turin, heute kennt man ihn vor allem, weil er ein Teil der Rallye Monte-Carlo ist.
Die Spitze des Berges ist an diesem Nachmittag kaum mehr zu sehen. Mit jeder Kehre erobert der aufziehende Nebel ein weiteres Stück des Fels. Den Audi stört das nicht. Stoisch zieht er mich den Berg hinauf. Vor diesem Trip stellte ich mir die Frage, wie sportliche Frontantrieb und 1.6 Liter Hubraum in diesem Gelände sein können. Doch Audi stellt hier unter Beweis, dass das Versprechen “Vorsprung durch Technik” nicht nur Marketing ist. Gut, mitunter ist der Leistungsabfall zwischen den Schaltvorgängen aufgrund der Strecke so dramatisch, dass man vom 4. direkt in den 2. Gang schalten müsste, um die dynamische Fahrweise beibehalten zu können. Auf der anderen Seite zirkelt wahrscheinlich kein normaler Mensch diese Strecke so sportlich hier hoch wie Motorjournalisten und -Blogger, die dem Auto vieles abverlangen. Zudem: Hat man einmal das Gefühl für den Motor, lernt man auch mit dieser Eigenschaft umzugehen.

Auf der Spitze angekommen mache ich kurz Halt.

Doch, die Welt des Motorenbaus hat sich wieder einmal verschoben. Standen 1.6 l-Aggregate bei den Premiumherstellern früher gerade einmal als Einstiegsmotorisierung zur Verfügung, hat sich dies in den letzten Jahren gewandelt. Die kleinen Vierzylinder haben heute ordentlich Dampf unter der Haube. Nicht Premium, aber zum Vergleich bestens geeignet: Aus dem 1,6 Liter Aggregat des Kia C’eed GT holen die Koreaner immerhin 218 PS. Audi legt seinen 1,6 TDI etwas gemächlicher aus: 105 PS. So viel hatte mein erstes Auto anno 1999 – das Top-Modell des Ford Escort. Audi kitzelt die Leistung mit einem Turbo aus dem Hubraum raus, und das merkt man. Der A3 gibt sich markant, aber nicht übermäßig ambitioniert. Das ist übrigens nichts Schlechtes, im Gegenteil. Denn das Auto gibt sich zum einen mit 3,8 Litern Diesel auf 100 km/h (kombiniert) zufrieden, zum anderen bringt es Leistung, wenn man sie abruft.

Rein ins Auto und wieder runter. Die Sicht ist genau genommen nicht mehr vorhanden, der Nebel hat den Berg erobert. Ich lasse den Audi fordernd rollen, die engen Kehren hinab, auf denen mit mittlerweile auch andere Autos entgegen kommen. Es herrscht fast schon reger Verkehr. Die Lenkung des Audi ist wunderbar direkt, das Fahrwerk punktgenau – für einen Alltags-Audi fast schon ein wenig zu sportlich, möchte man meinen.
Und doch. Der A3 Sportback ist so normal wie ein Audi nur sein. Deshalb passt er hier her – er schwimmt im Verkehr mit, rollt vor sich hin. Wieder am Fuss des Berges angekommen kann man nur noch mitschwimmen. Wer braucht hier schon 450 PS – schnell geht es in Monaco nur dem Wochenende zu, an dem der Formel 1-Zirkus gastiert. Ansonsten sind Geschwindigkeiten um die 40 km/h was man hier im Schnitt zusammen bekommt.

Während ich im Stop-and-Go durch das abendlich trubelige Monaco staue, wandern meine Hände über das Interieur. Hier gibt sich Audi keine Schwäche und trumpft ordentlich auf. Was edel aussieht, ist auch edel – die Materialien sind sorgfältig ausgewählt und verarbeitet, die Spaltmaße klein, die Oberflächen fassen sich unheimlich gut an. Dinge wie die Luftdüsen im “Jet-Design” sind verspielt gestaltet und doch nicht so filigran, dass man Angst haben müsste sie in den ersten Lebenswochen dieses Autos kaputt zu machen.
Stolz ist man bei Audi auf das “MMI touch”. Darunter versteht man bei Audi, dass im zentralen Dreh-/Drück-Steller der Mittelkonsole ein berührungssensitives Eingabefeld integriert ist. Die Idee dahinter: Auf ihm kann man beispielsweise Buchstaben eingeben, um bei der Navigation nicht mehr durch das Alphabet scrollen zu müssen. Hört sich gut an, in der Praxis war ich mit drehen aber irgendwie immer schneller als mit der Touch-Eingabe. Mag aber vielleicht auch nur Übungssache sein, schick ist die Idee in Zeiten, in denen wir an Tablets gewöhnt sind, jedoch allemal. Einzig: Entweder sind meine Arme zu lang, oder die MMI-Bedieneinheit ist zu weit hinten auf der Mittelkonsole angebracht. Bequem ist die Bedienung nicht, da liegt das gleiche Element im BMW 1er weiter vorn und ist besser erreichbar. Um so gelungener in meinen Augen hingegen: Das versenkbare Farbdisplay. Auto aus – Screen weg, Auto an – Screen kommt aus dem Armaturenbrett hoch gefahren. Das spricht nicht nur meine verspielten Sinne an, es führt auch zu einem sauberen Abschluss des Armaturenbretts und vermeidet schlecht putzbare Winkel, wie beispielsweise bei aktuellen BMW-Modellen. Bei den Münchnern verzichtet man auf die Spielerei und hat das Display als permanentes Element integriert.

Doch bei all dem positiven, am Ende kommt etwas Wehmut auf. Darüber, dass im A3 nur ein Vierzylinder seinen Dienst verrichtet. Denn als ich nach der Nacht im Hotel am Morgen den Schlüssel für den A3 Sportback S Line mit 2.0 Liter-TDI entgegen nehme, nutze ich die Chance: Einmal durch den Tunnel. Genau den. DEN Tunnel.
Ich rolle vom Hotel in Richtung Hafen. 150 PS aus einem Vier-Zylinder-Diesel. Eigentlich keine Kunst des Motorenbaus. 8,4 Sekunden braucht er für den Sprint auf 100 km/h, bei 213 km/h ist Schluss. 400 Meter lang ist dieser Tunnel in Monaco, den die Formel 1-Boliden mit rund 280 km/h verlassen. Da kann mein kleiner A3 nicht mithalten. Soll und muss er auch nicht. Allein, ein wenig schade ist der fehlende Sound – nichts hallt von den Wänden dieses legendären Betons wieder.
So sehr wie Monaco vom Schein seiner selbst lebt, so sehr lebt dieses Stück Straße wahrscheinlich auch von seinen zwei Stunden Fernseh-Dasein im Jahr. Am Ausgang tippe ich trotzdem aufs Gas, rumple über die rechtsseitig permanent angebrachten Curbs. Einmal doch ein wenig Gänsehaut, im sonst so vernünftig gedachten A3 Fünftürer.

Und dann geht es zurück zum Flughafen. Adieu. Du Sonne, Du Schein und Sein. Du, Col de Braus. Ein Gedanke nimmt man mit von hier: Sportback – das ist sportliche Vernunft. Und das muss man auch erstmal schaffen.

Weitere Fahrberichte von mir zum Audi A3 Sportback:
Die Testfahrer: Unterwegs mit Audis kompaktem Nicht-Kombi-Kombi
autokarma: Unterwegs mit dem Audi A3 Sportback 1.2 TFSI

Der Audi A3 Sportback steht ab dem 16. Februar 2013 bei den Audi-Händlern. Die Preise starten bei 22.500 Euro – 900 Euro mehr, als der Dreitürer. Dafür bietet der A3 Sportback nicht unbedingt mehr Platz im Kofferraum (gerade einmal 15 Liter sind es), dafür sitzen Fond-Passagiere etwas bequemer, wenn man natürlich nicht vergessen darf, dass man als Mitfahrer in der Golf-Klasse Platz nimmt. Mit der hat der Audi übrigens künftig nicht nur mehr die Klasseneinstufung gemeinsam – er teilt sich mit dem Konzern-Bruder Volkswagen Golf 7 künftig auch die Plattform.