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BMW-3er-F30-Titel

Probefahrt: Der neue BMW 3er.

Mitte März lernte ich dem neuen BMW 3er auf einer kleinen Tour etwas genauer kennen. 24 Stunden und 400 Kilometer – ein Speed Date, wenn man so will.
Wie es war – gibt es hier zu lesen.

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Mitte März (huch, ist das schon wieder her!) hatte ich die Gelegenheit einige Kilometer mit dem neuen BMW 3er zurück zu legen. Kein Test, eher eine Probefahrt – wenn man den Unterschied betonen will. Ich hatte wenig Zeit, und nur rund 400 Kilometer. Wobei ja weniger die Kilometer als vielmehr die Zeit beim Kennenlernen eines Autos immer ein Problem ist.

Einige Eindrücke.

Ein Auto ist, insbesondere für uns Autoblogger ja, durchaus wie ein Mensch. Du lernst es erst mit der Zeit richtig kennen. Klar, es gibt diesen Ersteindruck. Hässlich vs. schön. Gut vs. Schlecht. Durchzugsstark vs. Schwach. Und bei vielen im Kopf auch noch immer Spaß vs. Vernunft und Effizienz.

Ich hatte rund 24 Stunden und 400 Kilometer zur Verfügung, in denen der neue 3er mich durchaus überzeugen konnte.
Ich kenne den Vorgänger des jetzt neuen 3er gut – habe mit ihm erst im letzten Jahr über 2.500 Kilometer in etwas mehr als einer Woche absolviert. Ein tolles Auto – ohne Makel. Optisch gefällt mir die Linie, die BMW fährt, seit ungefähr Ende 2001 sehr gut – der alte BMW 3er reihte sich da perfekt ein und wird uns in 20 Jahren ebenso zeitlos als Gebrauchtwagen über den Weg fahren, wie seine Urenkel es noch heute tun.

Nun also der Neue. F30, so der interne BMW-Code, den man offiziell eigentlich immer ungern kommuniziert.
Von außen überrascht er auf den ersten Blick. Denn er kommt als ein Hybrid zwischen Vorgänger-3er, aktuellem Fünfer und Urenkel-3er daher. Wenn man es so interpretieren mag. Kennt man den E90 (Vorgänger), erkennt man auch den neuen – von der Seite ebenso wie vom Heck. Hier bleibt man beim Bewährten. Und das ist in Ordnung, denn als größtes Volumenmodell im Konzern ist der BMW 3er ein Auto, bei dem man weniger wagen kann als bspw. beim neuen BMW 1er, der selbst sechs Monate nach seinem Marktstart die Fans noch immer spaltet. Das größte Wagnis ist ein Kunstkniff, eine Hommage an den BMW 3er von 1982, den E30. Es ist die “Loslösung” der BMW Niere.

Im Probefahrtbericht für das AMI Weblog habe ich zur Niere geschrieben: “Das Design durchbricht hier ein wenig die Grenzen der Wahrnehmung, denn, dass die BMW-Niere im Grunde frei steht, sieht man erst auf den zweiten Blick. Er offenbar die Niere als skulpturale Figur, eingefasst von Stoßfänger und Motorhaube. Ein echtes Kunststück, ein echter Hingucker.” Und ich meine es durchaus so. Auf den ersten Blick ist das gewöhnungsbedürftig, auf den zweiten ein grandioser Design-Kniff, an dem man sich kaum satt sehen mag. Das BMW Gesicht ist grundsätzlich sowieso etwas, dass in solch einer Konsequenz kaum ein anderer Hersteller seit Jahren pflegt, hegt und hält. Audi eifert dem mit dem voluminösen Single Frame seit einigen Jahren hinterher – vergisst dabei allerdings ein wenig, dass diese Krachergrill die Freiheit nimmt, mit dem Gesicht des Autos auch einmal etwas anderes machen zu können. BMW zeigt mit dem neuen 3er, dass neben Doppelrundscheinwerfern und Doppel-Niere auch noch andere kleine Kniffe drin sind, welche die unterschiedlichen Baureihen sich von einander distanzieren lassen ohne auf ein Familiengesicht zu verzichten.

Ansonsten bietet BMW wie in den letzten Modellreihen schon ein ansehnliches Design, dass man der Marke traditionell zuordnet. BMW Designer möchte ich nicht sein – der Kasten der Begrenzungen scheint eng: Kürze Überhänge, coupéhafte Linie, Sicken, Designmerkmale. Da genießt das Team bei Opel und Co. offenkundig größere Freiheiten – ob das positiv ist, ist eine andere Frage …

Innen ist der BMW 3er, wie man es vom Premiumanspruch der Münchner erwartet. Wer das Cockpit des aktuellen 1er kennt, wird sich im 3er schnell und blind zurecht finden. Überraschungen gibt es von der Gestaltungsseite her nicht. Positiv überrascht war ich hingegen nach 300 Kilometern ohne Pause – man merkt beim Aussteigen einfach nicht, dass man gerade drei Stunden im Auto verbracht hat. Die Sitze sind bequem und bieten gleichzeitig guten Seitenhalt, der auch in engen Kurvenpassagen dafür sorgt, dass man sicher und fest im Sattel sitzt. Da ist ein Lob angebracht.

Etwas, dass mich bereits im aktuellen 5er begeistert hat, trifft man jetzt auch im kleinen Bruder an: Das HeadUp-Display. Dieses Ding will man eigentlich nicht mehr missen, wenn man sich dran gewöhnt hat. Und man gewöhnt sich schnell daran. Insbesondere zusammen mit der Verkehrszeichenerkennung wird dieses Ding zum – wie sagt Olaf Schubert immer – Mahner und Erinnerer. Ich bin ein Autofahrer, der gern etwas zügiger fährt, als es sein sollte. Wenn es fließt durchläuft der deutsche Verkehr geschwindigkeitsbegrenzte Passagen ja sowieso generell mit 20 km/h mehr als erlaubt. Das ist die “Passiert-Nix-Zone” – bekommt man ja recht fix nach der Fahrprüfung mit. 20 km/h zu schnell bedeutet 20 Euro Strafe und weiterfahren. Das verschmerzt man, weil es Pünktchen und deftigere Strafe erst ab 31 km/h gibt. Bis dahin reizt der Verkehr das die meiste Zeit auch aus.
Blöd wird es jetzt, wenn man die gültige Geschwindigkeit dauernd vor der Nase hat. Wenn im Head-Up-Display direkt vor der Nase immer dieses runde weiße Schild mit rotem Rahmen und der gültigen Geschwindigkeit im Inneren prangt. Gut, kann man absstellen – die Verkehrszeichen-Erkennung. Aber auf der anderen Seite erzieht sie einen eben nicht nur so ein wenig, sondern hilft einfach auch, sich auf den Verkehr zu konzentrieren. Kein “war das jetzt in 100er-Schild”, kein “Warten auf die Freigabe” – das System wird es vermelden, wenn es etwas gibt. Und das erstaunlich zuverlässig!

Wäre am Ende das, was BMW ausmacht.
Fahrfreude.

Ich bin gern flott unterwegs. Fahre gern straf durch Kurven. Liebe Landstraßen. Ein strafes Fahrwerk mit wenig Federung.
Ich bin gern gemächlich unterwegs. Gleite gern dahin. Liebe Landstraßen. Und lass mich treiben.

Doch. Ich bin irgendwie beides. Kommt auf Lust und Laune an.
Der neue 3er ist ein Auto, dass mir passt.
Wie ein Jogging-Anzug Anfang der 90er – passte immer, egal wie man gerade drauf war, oder wo man hin ging.
Ich zitiere mich noch einmal selbst – aus eben jenem Bericht für die AMI oben – ausführlich.

Der neue BMW ist ein Marathonläufer mit Sprintfähigkeiten in elegantem Outfit. Einer, der die 42,195 Kilometer lässig im 3-reihigen Anzug läuft, dabei stetig lächelt, nicht schwitzt und am Ziel fragt, wo denn die nächste Herausforderung liege.

Egal ob Stadt, Land oder Autobahn. Ihn bringt nichts aus der Ruhe, nichts aus der Puste und nichts aus der Reserve. In der Stadt ist er dahingleitend ein Hingucker, auf der Landstrasse liegt er angenehm und sicher in den Kurven und auf der Autobahn fühlt er sich rechts ebenso wohl wie links, kann selbst bei 200 km/h noch eine Reserve aufzeigen und etwas weiter sprinten, um aufholende Mitläufer auf Abstand zu halten.

Der BMW 3er ist ein Auto, dass ich wirklich mag. Weil er so universel ist.
Das klingt im ersten Moment ziemlich … uncool. Aber der 3er ist wie ein automobiles Schweizer Taschenmesser. Er passt einfach in jede Gelegenheit, egal wie Du Dich fühlst, egal auf was Du gerade Lust hast. Klingt nach “Nicht-Fisch-Nicht-Fleisch”. Aber genau dagegen hat BMW auch noch was. Etwas, dass den sperrigen Namen “Fahrerlebnisschalter” hat. Mit ihm lassen sich die Fahreigenschaften des BMW per Knopfruck ändern – sportlich, komfortabel, verbrauchsoptimiert. Je nach Einstellung nimmt der BMW ein Drücken auf das Gaspedal zum Beispiel direkter oder mit weniger Sensibilität an. Je nach Einstellung reagiert das Fahrwerk minimal anders – liegt weicher, oder strafer auf der Straße.
Habe ich mir beim BMW 1er vor einigen Monaten noch eingebildet, dass das so einen Unterschied nicht machen kann – auf meiner etwas längeren Tour mit dem 3er konnten mich die Münchner eines Besseren belehren. Doch, das macht wohl was aus!

Und dann wäre da noch … die Effizienz. Dieses Wort! Effizienz.
Gruselig. Schlimmer als SAW 1 bis wo-sind-die-bei-welchem-Teil-gerade?! In den Köpfen vieler herrscht noch immer in Beton gemeisselt die Meinung, dass Effizienz sich nicht mit einem agilen Motor kombinieren ließe. Insbesondere unter den BMW-Fans, die auf den Reihensechszylinder der Bayern schwören. Die kann man mit dem Wort Effizienz auf einem Pappschild Kilometerweit wie die Schafherde vor dem Wolfsrudel her treiben. Dabei haben die Münchner durchaus eine historisch kaum vergleichbare Erfahrung im Bau von Vierzylindern. Und den nutzen sie. Das Triebwerk läuft ruhig, kommt ohne wahrnehmbare Leistungslöcher aus und verhilft dem 320d dazu, eben jener oben erwähnte Marathonläufer mit Sprintqualität zu sein. Und das ist, was die meisten Käufer am Ende dann doch wollen – ein Auto, mit dem sie bequem unterwegs sein können, und doch wissen: Wenn die Musik im Radio mal wieder den Antreiber spielt, dann kann man auch mit ordentlich Gas über Landstraßen und Autobahn ziehen. Im Fall des 320d gar ohne allzu schlechtes Gewissen – schließlich will der im kombinierten Verkehr laut BMW gerade einmal 4,6 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Nachprüfen konnte ich es nicht – getankt haben ihn andere ;-)

Gefahren.
BMW 320d, Bj. 2012
mit Luxury Line und diversen Extras,
Listenpreis ab ca. 37.000 Euro 

Etwas ausführlicher von mir dazu:
Unterwegs mit dem neuen BMW 3er im Motor-Talk Blog
Probefahrt mit dem neuen BMW 3er im Blog der AMI 2012