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Audi Q5 Facelift - Artikelaufmacher

“Geht raus spielen”, mit dem Audi Q5 und SQ5 TDI

Audi hat seinem Bestseller Q5 eine Überarbeitung gegönnt: Neues Gesicht, effizientere Motoren und ein neues Top-Modell: Den ersten Diesel von “S”. Ich war mit dem Q5 Hybrid Quattro und dem Sportler SQ5 unterwegs …

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Ich bin in einer kleinen Stadt aufgewachsen. Mitten in Thüringen. Meine Heimatstadt war überschaubar, umgeben von Wald, Wiesen und jeder Menge Abenteuer. Zumindest sahen wir Kinder das so und verzogen uns regelmäßig in eben diese. Wir spielten. Cowboy. Indianer. Vandalen. Forscher.
Es machte uns einfach Spaß über Wiesen zu rennen. Den Wald zu riechen und zu fühlen. Im Dreck zu buddeln. Mit Eicheln zu werfen, auf Bäume zu klettern oder kleine Staudämme zu bauen.

Für Abenteurer wie jenen kleinen Jungen werden SUV gebaut.
SUV wie der Audi Q5.

Den hat Audi im vierten Modelljahr aktuell überarbeitet und stellt ihn derzeit der Presse vor.
Ausgangspunkt für meine Tour mit dem aufgefrischten SUV: Der Flughafen München.

Hier ist alles so übersichtlich. Großstädtisch. Geteert.
Zeit, den kleinen Jungen mal wieder raus zu lassen.
Ich gehe spielen. Mit dem Audi Q5.
Straße kann jeder.

Nun bin ich grundsätzlich natürlich brav. Ich war in der Tat jemand, der auf seine Eltern hörte. Zumindest bis zu einem gewissen Alter. Und so verlasse ich zwar die Straßen dann und wann, gehe mit dem Q5 spielen – aber wir kommen immer mal wieder zurück. Schauen, ob alles ok ist.

Erstes Spiel: Verstecken.
Irgendwo bei Berglem verlasse ich die Straße. Schlage mich ins Feld.
Der Mais ist noch nicht reif. Dafür steht das Gras auf den seit langer Zeit nicht mehr befahrenen Feldwegen kniehoch. Mein silberner Audi Q5 Hybrid interessiert sich wenig dafür. Er rollt – sacht, ich gebe es zu – durch das satte Grün. Die Sonne – ein äußerst seltener Gast diesen Sommer – ist heute gnädig, lässt sich durch die weiße Wolkendecke immer mal wieder blicken.
Wir spielen verstecken. Und das durchaus erfolgreich. Denn trotz seiner großen Ausmaße: Zwischen all dem Mais hier ist der Q5 bald verschwunden. Eins mit der Natur.
Zumindest wirkt er in diesem Um-Feld hier nicht ganz so fehl am Platz wie im Großstadtdschungel.

Meine Lust, etwas wie den Q5 durch die zuweilen engen Straßen der Innenstadt zirkeln zu müssen, schwindet zumindest. Da fühlt er sich vielleicht wohler, als hier draussen. Da ist er aber auch ein wenig wie Godzilla in Tokyo: Kann mal durch, muss aber nicht, und gut tut das am Ende niemandem.
Der Q5 Hybrid Quattro ist hier draussen sowas wie ein Öko-Cowboy.
Bis 60 km/h will er rein elektrisch fahren. Wann er das tut – ich finde es auf den rund 60 Kilometern, die wir zwei nach dem Verstecken-Spielen noch hinlegen, nicht heraus. Zumindest springt der konventionelle Verbrenner unter der massigen Haube immer wieder an – egal, wie sacht ich anfahre und wie viel ich rekuperiere. Es gelingt einfach nicht. Vielleicht schwingen wir einfach nicht synchron. Oder dieser Öko nimmt mir einfach übel, dass ich beim Verstecken geschummelt habe …

Also zweites Spiel. Irgendwo bei Erding.
Klettern.
Nun schafft es der Audi Q5 natürlich nicht auf Bäume. Ich wahrscheinlich auch nicht mehr. Nicht so geschmeidig wie früher zumindest. Macht nix – wir nehmen uns Berge vor. Gut, Hügel. Oder Hügelchen, so heißen kleine Steigungen doch?
Schön, diese Automatik. Kein zurückrollen, kein Spiel mit der Kupplung. Sacht zieht das ingolstädtische SUV selbst am Berg nach vorn, nimmt man den Fuß von der Bremse. So macht das anfahren am Berg Spaß. Generell arbeitet die Automatik im Q5 recht ordentlich. Einzig beim runterschalten wünscht man sich ein wenig schnellere Reaktionen: Beim langsamen ranrollen an Ampeln habe ich zwei-, dreimal das Gefühl, dass er gleich ausgeht, so spät schaltet die Automatik runter. Das ist dann nervig, wenn die Ampel während des ranrollens auf Grün springt – dann nämlich hängt man mit 20 km/h im vierten Gang und kommt kaum vom Fleck. Zum Glück gibt es diese wunderbaren Schaltwippen. Aufpreis der sich lohnt.

Lohnen würde sich auch ein Einführungskurs in das Knöpfe-Schlaraffenland namens Cockpit.
Sage und Schreibe fünf Hebel findet man am Lenkrad: Blinker, Scheibenwischer, Tempomat, dazu die zwei Schaltwippen. Mit dem Navigations-System und der Nutzerführung freunde ich mich den ganzen Tag über nicht an – ich ticke offenkundig anders, als Audi-UI-Designer. Ständig drehe ich den Knopf, mit dem man Listen nach unten oder oben scrollt verkehrt herum.
Und dann schickt mich das Navigationssystem zuweilen auf seltsame Wege. Weil ich die Zielführung für eine Route erst nach dem ersten Zielpunkt starte, schickt es mich in einem 15 Kilometer langen Bogen zum Ausgangsort zurück und startet dann von vorn – einmal 20 Kilometer Schleife fahren. Dass es den Streckenabschnitt der A94 von Pastetten nach Forstinning dann nur mit Mühe kennt, verzeihe ich – Google Maps kennt ihn auch nur als theoretische Strecke …

Der Hybrid macht einen guten Eindruck. Wobei ich mich frage: Wozu gibt es den eigentlich?
Damit man als Fahrer ruhigen Gewissens seinen Schlüssel mit “Hybrid”-Schriftzug demonstrativ auf den Tisch legen kann? Oder weil der Drehzahlmesser hier mit dieser schicken Rekursionsanzeige inklusive “Boost”-Panel ersetzt wurde? Bei 60 km/h kann man bis zu drei Kilometer rein elektrisch fahren. Gefühlt tue ich es nie. Aber es liegt nicht an Dir, es liegt an mir, mein lieber Q5. Glaube ich zumindest. Dafür sieht es eben schon toll aus, wie die 1,3 kW starke Batterie so nach und nach wieder mit Strom geladen wird. Gefühle aber. Ein toller One Night Stand. Ein schöner Spieltag. Aber wir werden kein Paar.

Vielleicht ja eher Ich und das neue Top-Modell des Q5. Der erste Diesel, den man unter dem S-Label vorstellt und baut.
Damit bietet Audi ähnlich BMW einen sparsamen Spitzensportler an – bei BMW laufen die Diesel-Modelle als “BMW M Performance Automobile”, bei Audi gliedert man sie einfach in die bekannte S-Line ein. Bringt zumindest weniger Konfusion.

Das letzte Spiel also lautet “Rennen”. Der SQ5 sprintet los, ich versuche hinterher zu kommen.
Wie der Hybrid ist die S-Variante des SUV mit Automatik (8-stufig) inkl. Schaltwippen ausgestattet. Zudem liegt er drei Zentimeter tiefer, verfügt über ein Sportfahrwerk und Allrad-Antrieb: Irgendwie müssen die 313 PS (230 kW) ja auf die Straße kommen und in dem massigen SUV auch dort bleiben. Für Durchzug sorgt ein V6 3.0 TDI mit Biturbo.

Also auf die Straße. Und Autobahn. Und den Feldweg.
Lauf. Lauf! Renn!
Er zieht. Und wie er das tut. Auch wenn die Automatik dann und wann etwas schneller reagieren könnte. Auch, wenn man sich fragt: Ist das jetzt noch richtiger Sound, oder nach-modulierter Sound aus dem Labor? Audi bedient sich beim V6 Diesel nämlich eines Tricks, den BMW auch in den aktuellen BMW M5 einfließen lassen hat: Je nach dem, wie stark man das Gaspedal durchdrückt und welche Leistung vom Motor abgerufen werden, wird über zwei verbaute Lautsprecher und den Endtopf des Auspuffs Sound künstlich erzeugt. So wird aus dem V6 schnell das herzliche Blubbern eines V8. Ohrenbetrug? Mag sein, aber am Ende zählt Leistung und der Wohlfühlfaktor – die passen hier zusammen.
Denn der SQ5 TDI rennt. Und kaum einer kommt hinterher. Dieses Audi SUV sprintet in 5,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Weg.
Und dann ist es eigentlich egal, ob dieser Sound echt ist oder nicht. Er macht Laune.

Irgendwann stehe ich auf einem Feldweg. Attaching. Sagt mein Navi. Aber was weiß das schon?
Für wen bist Du eigentlich gebaut?, frage ich mich. Und den SQ5.

Audi versieht den Q5 – übrigens der bestverkaufte SUV in seinem Segment, noch vor dem Wegbereiter BMW X3 – mit der Zielgruppe: Männlich. Check. Mit zwei Kindern. Na, fast Check. 50 Jahre. Noch nicht ganz Check. Und den Kindern aus dem Haus. Dauert noch. Ich in dreizehn Jahren. Will man Dich dann?
Nicht, dass ich Dich jetzt ablehnen würde.
Wobei. Über Design kann man ja streiten. Grundsätzlich. Ich mich bei Audi auch sehr gern. Stichwort: Gleichheit. Aber mal ehrlich, wenn man hier drin sitzt, den Motor ballern hört, sanft aber bestimmt in den Sitz gedrückt wird und in der vom LKW angeführten Schlange auf der Landstraße immer wieder einen Abstand zum Vormann entstehen lässt, um dann ranzubollern, weil es einfach so viel Spaß macht. Wer will da noch über Design reden.

Rennen kann er. Sprint. Check. 400-Meter-Lauf. Check. Bis 230 km/h schafft er auf dem kurzen Autobahnstück. Weiter mag ich ihn nicht treiben – Audi gibt ihn zwar mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h an, ab 220 fängt er jedoch merklich an zu schwimmen. Entweder liegt es am Wind, oder einfach an der Größe. Ich tippe auf eben diese. Aber Schnell fahren kann jeder. Im Q5 generell ist es eher die Gediegenheit und das erhabene Gefühl. Leise ist es hier drin. Windgeräusche – was ist das? Den Motor des Hybrid hört man kaum, der V6 im SQ5 murmelt kraftvoll vor sich hin.

Ich rolle wieder zurück zum Airport, Audi-Forum.
Wir waren auf dem Feld. Am Berg. Auf der Wiese. Im Wald.
Der Q5 ist ein toller Spielkamerad. Das nächste mal nehme ich mir mein Cowboy-Hut mit.

Was bleibt?
Meine Frage. Wieso man ein SUV kauft. Die werde ich heute nicht beantworten können. Der Q5 steht seinem Wettbewerber BMW X3 in nix nach. Beide sind unheimlich tolle Fahrzeuge – BMW ist jetzt am Zug. Denn unabhängig davon, dass der Serien-Sechszylinder im Münchener die gleiche Leistung abruft wie die S-Variante des Q5: Audi legt mit einem Hybrid- und einer sportlichen Variante vor. Zeit, zu kontern. In Ingolstadt hingegen kann man sich das Getriebe noch einmal zu Herzen nehmen – das hat BMW einfach “smoother” hin bekommen. Bleibt: Image. Und da … kann man niemandem die Entscheidung abnehmen. (Den Mercedes GLK kann ich mangels Er-Fahr-ung nicht in diesen Vergleich einbeziehen)

Andere Blogger sind den Audi Q5 natürlich auch gefahren:
Mario-Roman Lambrecht, Fanaticar
Sebastian Bauer, Passion Driving
Bjoern Habegger, mein Auto Blog
Ralf Bernert, exclusive life
Ennos Reddies, QARSI
Fabian Meßner, Autophorie
Thomas Endriß, greenmotorsblog
Nicole Y. Männl, Auto-Diva
Erkan Dörtoluk, uberautos