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BMW M6 Gran Coupé

Belladonna auf Ecstasy: BMW M6 Gran Coupé im Test

305 km/h Spitze läuft das BMW M6 Gran Coupé. Und das ist die unwichtigste Zahl, die ein Auto wie dieses auf das Datenblatt zaubert. Das neue Top-Model aus Bayern macht in allem eine gute Figur … Eine erste Testfahrt mit dem Traumwagen.

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Man sagt, auf deutschen Autobahnen könne man so schnell fahren, wie man will. Oder zumindest so schnell, wie das eigene Auto dazu in der Lage sei.
Nun.
Dem ist nicht so. Nicht mit diesem Auto.
Nicht mit dem BMW M6 Gran Coupé.

Schneller als die Welt es zulässt

Dieses Auto ist schneller als die deutsche Autobahn. Schneller, als selbst die schnellen deutsche Autobahn-Mitfahrer schnelle Autos einschätzen.
Dabei ist Geschwindigkeit eigentlich das Unwichtigste und am wenigsten Emotionale einer Testfahrt mit dem neuen Münchner.
Es ist allerdings die Feststellung, die wir am Anfang vielleicht einfach gleich klären wollen. Denn um die Top-Geschwindigkeit soll es ab jetzt nicht mehr gehen.
Halten wir nur direkt fest, dass auch eine deutsche Autobahn für ein 305 km/h schnelles Fahrzeug nicht die geeignete Sprintstrecke ist.

Reden wir lieber über Emotionen. Über Design. Über Luxus. Eleganz. Und Gefühl. Reden wir über den wahren Kern des BMW M6 Gran Coupé.

The M Way of Luxury

Es ist schon eine Erscheinung, dieses Auto. Erhabenheit strahlt es aus – diese nicht aufdringliche, aber doch präsente Mischung aus Eleganz und Kraft.
Unter der lang gestreckten Haube schlummern 560 PS (412 kW), und es scheint so, als zögen sie bereits im Stand am BMW – sehnig wirkt die Karosserie, lang gezogen. Das Gran Coupé kommt auf 5,01 Meter Gesamtlänge, ist dabei jedoch nicht höher als 1,39 Meter.
Wer hier einsteigt sitzt tief – aber luxuriös.

“Das BMW M6 Gran Coupé ist das wertigste und luxuriöseste M-Fahrzeug der Geschichte”, sagt Thomas Schemera, Leiter Sales & Marketing BMW M GmbH, zur Vorstellung des Neuen. Es ist überdies aber vor allem eins: ein neues Flagschiff. Denn M ist hier nicht mehr Leistung und Sportlichkeit allein. Das BMW M6 Gran Coupé ist ein Wandler zwischen den Welten. Es versucht, sowohl purer Luxus als auch pure Sportlichkeit zu sein.

Autos, die versuchen, zwei so differente Welten zusammen zu bringen, sind eine Herausforderung. Denn Luxus ist vor allem eins: Gewicht. Auf der anderen Seite meidet man im Motorsport eben Nichts mehr, als eben dieses.
Und an Gewicht mangelt es beim BMW M6 Gran Coupé nicht: satte 1,95 Tonnen bringt es auf die Waage. Doch die sind offenbar keine Herausforderung. Nicht für das Acht-Zylinder M-Aggregat. 4,4 Liter Hubraum schießen das viertürige Coupé auch dank der beiden dicken Turbos in nur 4,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Und darüber hinaus. Es ist nachhaltig beeindruckend, wie das M-Getriebe beim Tritt auf das Gaspedal selbst bei 180 km/h zurück in den vierten Gang schaltet und den Zweitonner mit aller Kraft der 680 Newtonmeter ohne Mühe bis zur magischen 300 zieht. Gangwechsel dauern dabei gerade so lang, um den Fahrer spüren zu lassen, dass der BMW weiß, was er tut – und es kein Versehen ist, dass der Drehzahlmesser dokumentiert, wie der Motor die Gänge bis in den roten Bereich jenseits der 7.200 U/min ausfährt.

Belladonna auf Ecstasy

Dabei hat man hier nie das Gefühl viel zu schnell zu sein. Der V8 brummt satt aber nicht aufdringlich vor sich hin. Nutzt man, über die in der Mittelkonsole angebrachten Knöpfe, die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten für Fahrwerk, Motor und Lenkung, ändert sich nicht nur das Fahrverhalten spürbar. Auch der Sound des V8 passt sich dem Sport- oder eben Luxusempfinden des Fahrers an. Zwischen den Dutzenden Einstellungen von Comfort bis Sport Plus verhält sich das M6 Gran Coupé, als träfen die Disney-Verfilmung von Die Schöne und das Biest auf Fight Club: Von Außen Belle, Die Schöne, von Innen Brad Pitt mit dem Herzen des Biests in der Katalogwohnung Edward Nortons.

Dieses Auto ist ein Phänomen. Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, irgendwann einmal ein Auto als “Wolf im Schafspelz” zu bezeichnen – er möge es zurück nehmen. Die Redewendung ist per sofort reserviert. Für München. Für das großzügige, viertürige Coupé aus der BMW M-Werkstatt.
Reist man im Comfort-Modus wirklich ruhig und sanft, entwickelt sich der große M6 mit jeder Stufe in Richtung “Sport Plus” zu einem Werwolf. Drückt man im Sport-Modus beim Spurwechsel eine halbe Sekunde zu früh auf das Gaspedal, braucht man schon Reaktionsfähigkeiten im Bereich eines Kampfjetpiloten, um nicht zu weit links zu landen – die Kraft explodiert förmlich, drückt das Coupé über die Hinterräder nach vorn und lässt einem nicht viel mehr als selig zu Lächeln. Allein, auf Landstraßen sollte man die vielfältigen Möglichkeiten des Head Up-Displays mit Verkehrszeichenerkennung und der Geschwindigkeitsreglung in Anspruch nehmen – zu schnell, zu unbemerkt, zu glückseelig ist man selbst auf kurvigen Landstraßen in Geschwindigkeitsbereichen, die den wochenlangen Stillstand des eigenen Autos zur Folge hätten.

Wohlfühloase aus München

Innen schmiegen sich die Sitze um den eigenen Körper, die Kontrastnähte des Leders im Innenraum zeugen von der Handwerkskunst bei der Fertigung von Lenkrad, Armaturenbrett, Dachhimmel, …
Man weiß nicht, woran man sich satt sehen soll. Und ehrlich gesagt kann ich mich nicht satt sehen. Wenn ich den Blick von der Straße nehme. Oder gerade nicht an die Seite fahre, um den Münchner noch einmal von außen sehen zu können.

Das BMW 6er Gran Coupé ist als Reiselimousine konzipiert. Und dem Versprechen wird es gerecht. Ein großer Kofferraum schluckt ausreichend Gepäck, die Sitze sind bequem, die Einstellungsmöglichkeiten in dieser M-Version zu vielfältig, dass man selbst bei langem Reisen jeden Gemütszustand als eine Einstellung und Fahrweise dokumentieren kann. Und aus diesen Sitzen will man eigentlich nie wieder raus. Wobei, ich gebe zu: ich kann dies nur über die vorderen Sitze sagen. Denn auf den ausladenden Fond-Sitzen saß ich nicht. Dieses Auto will man selbst fahren. Hinten dürfen andere Menschen sitzen.

Kommen wir zur Frage, der Fragen, die sich heute jedes Luxusauto gefallen lassen muss: “Braucht man das?” Nun. Nein. Natürlich nicht. Für den Basispreis des BMW M6 Gran Coupés von 128.000 Euro bekommt man in einigen Regionen Deutschland zwei Einfamilienhäuser. Aber was ist schon Geld – nichts, wenn man dafür Anmut und Schönheit, Rasse und Klasse kaufen kann? Dazu welche von der Art, die unvergänglich ist? Eben, schnöder Mamon. Es gibt Kunstwerke, die teurer sind …

Bilder von der Ausfahrt mit dem Bayern kommen in einem weiteren Eintrag.

Weitere Eindrücke gibt es bei befreundeten Bloggern zu lesen:
Sebastian Bauer, passion:driving, Benny Hiltscher auf Bimmertoday.de, Jens Stratmann, rad-ab, Jan Gleitsmann, auto-geil und Jens & Jan auf Ausfahrt.tv