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BMW 2er Active Tourer im Test – Freude neu definiert

Ein praktisches Auto von BMW, ohne Hinterradantrieb? Das kann nichts werden! Oder doch? Im Test beweist der neue BMW 2er Active Tourer, dass Freude sich im Jahr 2014 nicht immer über Pferdestärken und Antriebskonzepte definiert. Ein Fahrbericht.

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Freude am Fahren.
Dieses Werbeversprechen begleitet den Autobauer BMW seit nahezu einem halben Jahrhundert. Und weil annähernd 50 Jahre an Marketing und Philosophie prägen, musste man sich in München über die vergangenen Monate hinweg oft die Frage stellen lassen: „Wie ist ‚Freude am Fahren‘ mit dem neuen BMW 2er Active Tourer vereinbar?“ Einem Auto, dass aufgrund seines funktionalen wie technischen Konzepts mit den Traditionen bei BMW bricht.
Gestellt wurde die Frage oftmals von Menschen, die das neue Modell noch nicht selbst erlebt haben. Dabei ist die beste Antwort, die BMW auf die Frage geben kann, tatsächlich das Auto selbst. Zeit für einen Test.

Freude als Markenkern – subjektive Empfindung statt harter Fakten

Ein Tabubruch ist er, der Active Tourer. Ein kompakter Fünfsitzer mit reichlich Platz und – vor allem! – Frontantrieb. Einen wie ihn gab es von BMW noch nie. Was für so manch hartgesottenen BMW Fahrer ausreichend Grund ist, in ihm ein Affront zu sehen. Wie bitte, so fragen sich Enthusiasten in diversen Foren, soll man einen Wettbewerber zu Mercedes B-Klasse oder Golf Sportsvan mit dem wertgeschätzten Werbeversprechen der Münchener in Einklang bringen?

Nun hat BMW in den letzten Jahren mit den verschiedensten Fahrzeugen bereits deutlich gezeigt, dass Freude am Fahren etwas Wandelbares ist. Sie ist – das sollte seit den BMW X-Modellen oder dem BMW i3 verstanden worden sein – nicht durch technische Parameter definiert, sondern durch das, was der Fahrer in seiner ganz eigenen Empfindung aus ihr macht.

Zumal der neue 2er „Kompakt-Van“ (nennen wir das Kind wenigstens einmal in diesem Artikel beim Namen), wie auch seine X-Brüder, von der Konzeption her kein Sportler ist. Zudem: So ganz richtig ist die Behauptung, der Neue sei der erste Fronttriebler von BMW, dann ja auch nicht. Dass man in München sehr wohl Fahrzeuge bauen kann, die – trotz, wie der BMW Altfan einwerfen mag – Frontantrieb, Kraft und Fahrspaß kombinieren können, beweist man seit dem Neustart von MINI.

Active Tourer – Frontantrieb? Egal!

Wie dem auch sei. Wollen wir es bitte ein für allemal klären, und uns dann den wirklich wichtigen Dingen beim Active Tourer zuwenden. Auch bei BMW können sie die Physik nur dehnen, brechen jedoch können sie sie nicht. Und so zeigt der komfortable 2er dem allzu dynamischen Fahrer durchaus eine Grenze auf. Er vererbt das Zittern der überforderten Fronträder bei straffer Fahrweise ans Lenkrad und schiebt in schnell angegangenen, engen Kurven spürbar über die Vorderräder. ABER – und das ausdrücklich groß geschrieben – bis es zu diesem Verhalten überhaupt kommt, muss man dem Neuen schon so Einiges zumuten.
BMW hat seinen fünfsitzigen Tourer mit allerlei Assistenten ausgestattet, die genau solche ein Verhalten verhindern sollen. Und diese leisten gute Arbeit. Im normalen Leben wird man den Antrieb wohl kaum überfordern.
Zumal sich die wohl wenigsten Fahrer am Antriebskonzept des Active Tourer stören werden. Schon heute ist der überwiegende Teil der Fahrzeuge auf unseren Straßen mit Frontantrieb ausgestattet. BMW mag mit dem neuen Konzept einen hauseigenen Tabubruch begehen, einen Skandal sehen dabei wohl aber nur Betonköpfe. Und so wird das Thema insgesamt wohl an so manchem Tisch heißer gekocht, als serviert.

BMW „Mini-Van“ – Erste Fahreindrücke

Im Vorfeld der Markteinführung am 27. September 2014 konnte ich den Active Tourer als 225i sowie 218d testen. Beide 2.0 Liter Vierzylinder – der neue BMW Dreizylinder kommt erst später – zeigen sich lauffreudig und gut abgestimmt.
Dabei fühlt sich der 218d im Test erstaunlicherweise „natürlicher“ an. Für mich ist er im Vergleich zum wesentlich leistungsstärkeren Benziner gar die bessere Wahl – laufruhig, sparsam und entspannt. Er passt bestens zum Konzept des Active Tourer, einem Autos, das entspanntes Reisen und hohe Flexibilität erlaubt. Der 231 PS starke Benziner verleiht dem BMW zwar mehr Kraft und einen kernigen Klang, fühlt sich jedoch „übermotiviert“ an. Dabei beherrscht der Active Tourer das Mehr an Leistung durchaus, doch fühlt es sich unpassend gegenüber dem Konzept des Fahrzeugs an. Der 150 PS starke Diesel ist hingegen unheimlich ausgeglichen – fast wie eine Yoga-Stunde, die man entspannt zu Liedern Leonard Cohens verbringt.

Was den BMW 2er Active Tourer zu einem gelungenen Auto macht

Der Active Tourer zeigt sich im ersten Test als ein rundum gelungenes Auto. Junge Familien dürften mit ihm ebenso glücklich werden, wie Paare mittleren Alters, denen es im Innenraum nach etwas mehr Platz und einer höheren Sitzposition verlangt.

Genau hier, im Innenraum, zahlt sich das Konzept Frontantrieb mit quer eingebautem Motor spürbar aus. Im Vergleich zum hinterradgetriebenen 1er Fünftürer gibt es vor allem in der zweiten Reihe einen spürbaren Zuwachs an Beinfreiheit. Beim Test stießen die Knie trotz gut eingestelltem Fahrersitz nicht an den Vordersitz, bei einer Fahrergröße von knapp 1,80 Metern. Größte Umgewöhnung für Umsteiger von Golf und Co. dürfte die BMW Eigenheit der nicht höhenverstellbaren Gurte sein. Bei normalen Körpergrößen sollte sich das allerdings nicht zum Nachteil auswirken, vorn mitfahrende Kinder ab 12 Jahren oder etwas aus der Norm gewachsene Fahrer könnten hier jedoch einen Kritikpunkt finden. Sitze wie Lenkrad hingegen lassen sich vielfältig einstellen, die hintere Bank ist optional gar verschiebbar.

Besonders stolz ist man bei BMW auf den umklappbaren Beifahrersitz, der die Ladelänge für Möbelhaus-Fans auf 2,40 Meter verlängert. Allerdings gibt es die Umklappfunktion nicht in Kombination mit den elektrisch verstellbaren Sitzen vorn. So muss sich der Käufer entscheiden: mehr Einstellungs-Komfort oder mehr Flexibilität. Ob es zwischen den beiden Konfigurationsmöglichkeiten einen spürbaren Unterschied beim Sitzkomfort gibt, konnte ich leider nicht testen, da die Klappsitze zum Zeitpunkt der Testfahrt nur in einem Ausstellungsfahrzeug verbaut waren.
An den Sitzen in den beiden Testwagen gab es vorn wie hinten hingegen nichts zu bemängeln. Für BMW recht typisch sitzt man bequem mit gutem Seitenhalt. Die Sitzfläche hinten ist dankenswerter Weise nicht zu stark ausgeformt. Zudem sind die beiden Außensitze hinten mit Isofix-Halterungen ausgestattet und die Anschnallpeitschen steif in der 40:20:40 teilbaren Rücksitzbank integriert. All das freut vor allem Familien, oder eben Oma und Opa, wenn sie mit den Enkelkindern unterwegs sind.

Freude auf dem Fahrersitz – Überblick und Head-Up Display

Das Cockpit zeigt sich wertig, wenn auch die Testwägen natürlich nicht an Extras geizten – die Basisausstattung des ab rund 27.000 Euro erhältlichen BMW wird sicherlich etwas karger. Keinen Einfluss hat der Preis allerdings auf die grundsätzliche Gestaltung des Innenraums. Und der zeigt sich übersichtlich: Die Mittelkonsole ist luftig gearbeitet, alle Schalter sind an den Plätzen zu fidnen, an denen man es bei BMW gewohnt ist. Zwei Dinge allerdings fallen auf: das kleine Ablagefach zwischen Radio und Klima-Steuerung ist nett, aber wenig brauchbar. Obwohl es sich als Ablagefläche für das Handy anbietet ist es aufgrund seiner Größe und des fehlenden Anti-Rutsch-Gummis nicht dafür geeignet. Laut BMW-Philosophie gehört das Handy aber sowieso in den dafür vorgesehenen Steckplatz in der Mittelarmlehne. Darüber kann man streiten, am Ende sind es sicherlich vor allem Nutzungsgewohnheiten, die über Für oder Wider der Anordnung entscheiden. Die zweite Auffälligkeit ist der seit Einführung des aktuellen 1er BMW obligatorische Fahrerlebnisschalter. Der Wahlhebel, mit dem sich vordefinierte Fahrwerks- und Motoreneinstellungen bestimmen lassen, ist im Active Tourer eher ein „Fahrerlebniskippschalter“. Er liegt etwas unglücklich vor dem Schaltknauf in der Mittelkonsole, womit die Erreichbarkeit nicht außerordentlich gut ist. Normalerweise findet der Schalter vor der Handbremse auf dem Mittelkanal Platz.

Kein Wenn und Aber gibt es beim Head-Up-Display. Das projiziert diverse Informationen wie Geschwindigkeit und Navigations-Angaben auf eine kleine Scheibe zwischen Lenkrad und Frontscheibe. Ebenso wie das hervorragende Infotainment-System BMW ConnectedDrive ist das Head-Up-Display über nahezu jeden Zweifel erhaben. Die Informationen werden gestochen scharf und farbig auf das Glas gespiegelt. Wer das System einmal im Einsatz erleben darf, dürfe es nicht mehr missen wollen. Ein vergleichbares System bleiben Wettbewerber aktuell im Segment noch schuldig.

Ein echter BMW – Der 2er Active Tourer

Einem Erstlingswerk sieht man bei Künstlern oder Handwerkern noch so manchen Fehler nach. Doch BMW gibt sich beim Active Tourer im ersten Test gänzlich ohne Blöße. Die Münchner stellen mit dem neuen 2er einen überzeugenden Wettbewerber auf die vier Räder, der VW und Mercedes so manchen Käufer abluchsen dürfte. Und das durchaus mit Recht.
Das Interior gibt sich hochwertig, die Raumnutzung und Flexibilität ist mit keinem anderen BMW im Segment vergleichbar.
Und, dass man hier mit dem ersten Frontantriebler mit blau-weißem Probeller unterwegs ist, wird man im Alltag rasch vergessen. Die Ingenieure der Bayern haben ein sehr ausgewogenen Familien-Van auf die Straße gestellt, der sich im Leben gut schlagen wird. Die zuweilen scharfe Kritik, die ihm aus dem Lager alter BMW Fans entgegen schlägt wird vielleicht nie ganz verhallen – gerechtfertigt ist sie mit Blick auf seine Alltagswerte und die gebotene Qualität absolut nicht. Freude definiert sich beim BMW 2er Active Tourer über Komfort sowie Alltagstauglichkeit. Und selbst, wenn es einmal etwas dynamischer zugehen soll, hat man im neuen BMW einen guten Partner.

BMW lud zur Pressevorstellung des BMW 2er Active Tourer und übernahm Anreise sowie Übernachtung. Dies hat keinen Einfluss auf meine hier veröffentlichte Meinung über das Fahrzeug.

  • http://dentaku.wazong.de/ dentaku

    Der wäre auch was für mich gewesen *wenn* er ein paar Monate früher erschienen wäre. Naja, vielleicht in der nächsten Dienstwagenrunde, wenn die jetzt bestellte B-Klasse in drei Jahren wieder abgegeben werden muss.

  • Jürgen Gast

    Ich bin den Wagen schon Probegefahren und leider bin ich etwas enttäuscht. Er lässt sich zwar gut fahren, aber vom Design her hat er mir nicht sehr gefallen.

    http://online-kfz-ankauf-export.de/kfz-export/

  • Heinz

    Hilfreicher Text. Vielen Dank! Hätte ich 27.000 Euro dann…

    http://online-auto-ankauf.de/nrw/gebrauchtwagen-export/autoankauf-in-oberhausen.html

  • halabi

    das ist sehr schöne Fahrzeug