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Audi RS6 Avant

Audi RS6 Avant im Test – Vaters neuer Liebling

Mit dem Audi RS6 Avant betritt ein Auto den Ring, das als strahlender Sieger um das Herz von Vätern und Business-Männern verlassen könnte. Mit einem gelungenen Design, 560 Pferdestärken und familientauglichen Abmessungen überzeugt der neue Ingolstädter bei einer ersten Ausfahrt voll und ganz.

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Väter. Sind auch nur Männer.
Und die spielen gern.
Oft mit ihren Kindern. Häufig mit ihren Freunden. Am liebsten aber dann, wenn sie unbeobachtet sind. Dann greifen sie zum Matchbox, zum Controller der Spielekonsole, oder zum Autoschlüssel.
Und dieses Auto, ist der perfekte Kamerad für den täglichen Spieltrieb: Der Audi RS6 Avant.

Eine Testfahrt mit dem neusten RS-Modell von Audi.

Familienauto oder Sportler?

Wie sieht das perfekte Familienauto aus?
Groß? Übersichtlich? Geräumig? Vielen Familien fallen sicherlich bei der gemeinsamen Suche Anforderungen ein, die sich vor allem mit “praktisch” umschreiben lassen. Das Wort “schnell” dürfte nicht mit auf der Liste stehen. Eigentlich. Denn fragt man allein die Väter, irgendwo unter den Top5-Antworten würde es auftauchen – noch vor “Innenraum-Rückspiegel”. Wetten?
Und genau für diese Männer ist der Audi RS6 Avant.
Vorausgesetzt, sie stören sich nicht am Preis.
Den wollen wir lieber gleich als “Familienuntauglich” deklarieren: Bei 107.000 Euro Basispreis braucht es Überzeugungskraft. Ist die aufgebracht, steht potentiell ein Auto in der Garage, dem es an nichts mangelt – und an dem der neue Eigentümer an nichts bemängeln kann.
Aber lassen Sie uns einmal einsteigen …

RS – erstmals mit Zylinderabschaltung

Seit zwei Jahren ist der Audi A6 Avant auf dem Markt. Ein gutes, gelungenes Auto – er bietet viel Platz, ihm mangelt es im Verkehrsraum nicht an Ansehen und das Motorenangebot ist umfangreich. Nun legt Audi allerdings noch ein Aggregat oben drauf: Ein V8 Bi-Turbo mit 560 PS. Dieses Herz versorgt den Audi RS6 Avant, das neue Top-Modell der Baureihe.
In Ingolstadt baut man mit dem Neuen einen alltagstauglichen Sportler, dessen Ziel nicht nur die schnellste Reise in den Familienurlaub ist, sondern auch der einer hohen Flexibilität. Erstmals nämlich stattet Audi ein RS-Modell mit aktiver Zylinderabschaltung aus. Damit soll der Sport-Kombi bei moderater Fahrweise weniger verbrauchen, weil nicht alle acht Töpfe im Motor befeuert werden. Werden sie es allerdings, befördern insgesamt 700 Newtonmeter den zwei Tonnen schweren Avant mit der Kraft des Quattros binnen 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Wenig später steht der Tacho-Zeiger bei 250 km/h, und wenn die Autobahn frei ist dreht er mit der optionalen Freischaltung des sonst abgeregelten Aggregats bis 305 km/h hoch. Bei diesen Geschwindigkeiten hat man den Nachwuchs aber hoffentlich nicht im Auto – allein die G-Kräfte der voll zupackenden Keramik-Bremsen zerren im Fall eines Falles bereits bis zur Grenze am erwachsenen Fahrerkörper.

Was während der Ausfahrt mit dem Audi RS6 Avant auffällt ist die offenkundige Attitüde des Autos. Der Audi will kein Sportler sein, höchstens ein sportlicher Typ.
Denn auffällig ist, wie wohl erzogen und vornehm unauffällig der V8 im Audi arbeitet. Selbst wenn man über die möglichen Einstellungen des Audi das Set-Up des Fahrzeugs von Comfort über Effizient auf Sportlich stell, bleibt der V8-Motor recht leise. Das wird nicht jeder mögen, denn wer für den Gegenwert eines Reihenhauses ein Audi kauft, der könnte auch wollen, dass er damit auffällt – nicht nur über das äußerst gelungene, aggressive Design des Avants, sondern auch über einen dazu passenden, aggressiven Ton. Doch diese Audi ist akustisch eher ein Gentleman. Allein die bei hohen Drehzahlen imitierten Fehlzündungen des Auspuffs, das typische Knallen der Motoren im Motorsport, ist so überhaupt nicht passend – zwar macht es auf den ersten Kilometern noch unheimlich Spaß, jagt man den Ingolstädter aber etwas mehr als 100 Kilometer übers Land fängt es schon ein wenig an zu nerven.
Aber wie der leise V8, so ist auch dieses “Knallen” reine Geschmackssache.
Am Ende jedoch entsteht der Eindruck, der Audi sei vor allem ein “Wenn”-Auto: er sieht optisch aus wie ein starker Kerl, klingt und trinkt wie ein Gentleman und kann, wenn man es will und braucht, auf deutschen Autobahnen kämpfen wie ein Ringer in bester Olympiaform.

Olympiareifer Alltags-Transporter

Dieser Eindruck aber macht den RS6 Avant nicht zu einem schlechten Auto. Im Gegenteil. Es macht ihm zu einem guten Typen, wenn man mit ihm im Familien- und Business-Alltag unterwegs ist.
Auf der Autobahn rollt er ohne Mühe und nahezu lautlos vor sich hin, tritt man jedoch aufs Gas faucht der V8 kurz auf, und sprintet los.
Auf langen Strecken ist man über die Comfort-Einstellungen glücklich, auf kurzen Sprints über das straffe Fahrwerk und die gute, direkte Lenkung im Sport-Modus.

Den Wandel zwischen den Welten schafft der Audi nicht ganz so elegant, wie das BMW M6 Gran Coupé – beim Münchner sind die Einstellungsmöglichkeiten vielfältiger, er spurt ab der Marke von 200 km/h gefühlt müheloser als der Audi los, und der V8 blubbert im BMW in der Sport Plus-Einstellung etwas satter und befriedigender.
Aber das sind, wie schon erwähnt, am Ende Geschmackssachen. Und ob ein Auto für den Sprint von 200 km/h auf die magische 300 nun gefühlte 10 oder 12 Sekunden benötigt – mal ehrlich: wer will da noch Punkte in der Wertung abziehen oder aufrechnen?

Fazit Audi RS6 Avant

Der Audi RS6 ist ein rundum gelungenes Fahrzeug. Für den Basispreis jenseits der 100.000 Euro darf man das verlangen, und Audi gibt sich keine Blöße.

Bleibt also die Frage: Sieht so das perfekte Familienauto aus?
Die Antwort könnte “Ja” lauten, wenn Preis und Benzindurst des Avants nicht stören. Als Diesel nämlich gibt es den mächtigen Audi (noch?) nicht. Hinzu kommt, dass der Nachwuchs nicht mehr ganz zu klein sein sollte – es wäre schade, wenn der Alcantara-bespannte Dachhimmel etwas abbekommen würde. Ansonsten ist’s egal – die gut ausgeformten Sitze sind in Leder ausgeführt, die verkraften nicht nur sportliche Kurvendurchfahrten, sondern auch den ein oder anderen Klebefinger …