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Le Mans (Audi in 2013)

Le Mans 2014 – eine Premiere (und ein Tipp für den Gewinner)

Le Mans. Der Name der 140.000 Einwohner zählenden Stadt verursacht bei Auto- und Motorsport-Fans ein Kribbeln. Das Rennen in Le Mans ist legendär – zieht seit 1923 alljährlich nicht nur die besten Rennfahrer sondern auch Tausende Fans an. Diesmal wird autokarma mit vor Ort sein. Zum ersten Mal 24 Stunden live, direkt an der Boxenmauer.

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Von autokarma Gastautor/in Alexandra Gigold

Es gibt nicht viele Regeln in Le Mans – genauer besehen gar nur drei.
Regel Nr. 1: Egal was mit dem Auto passiert, du musst bis zur Box kommen.
Regel Nr. 2: Eine Runde Rückstand ist kein Beinbruch, denn in Le Mans ist alles möglich.
Regel Nr. 3: Nach 24 Stunden die Zielflagge zu sehen, ist schon ein kleiner Sieg der gefeiert werden darf.

Le Mans. Das ist Anspruch und Beanspruchung – für Material ebenso wie die Fahrer und Teams. Der Glanz des Rennens strahlt weit über Europa hinaus. Hier im französischen West fand einst das erste Grand Prix-Rennen statt, hier wurden Legenden geboren und hier starben sie. Zuletzt Allan Simonsen im vergangenen Jahr …

Seit 1923 findet das Rennen alljährlich statt. Und so werden die 13,629 Kilometer der Rennstrecke am Ende dieser Woche wieder für 24 Stunden das Zuhause für 56 gemeldete Motorsport-Teams sein. 10 weitere stehen auf der Reserveliste und hoffen darauf, nachrücken zu dürfen.
Das bunte Treiben indes findet bereits seit einigen Tagen statt: Bereits am Sonntag vor Rennstart beginnt mit der Technischen Abnahme der Rummel.

Gestartet wird in vier verschiedenen Klassen: je zwei Sportprototypen und zwei GT-Klassen. Dabei wird in den GT-Klassen zwischen Profi-Fahrern und sogenannten Amateuren unterschieden. Das Spannende an Le Mans ist vor allem auch diese wilde Mischung. Neben vielen Namen, die wir aus anderen großen Rennserien kennen, gibt es auch Fahrer welche man nicht unbedingt als erstes mit Asphaltsucht in Verbindung bringt. Und so starten Langstrecken-Meister gemeinsam mit DTM-Fahrern, ehemaligen Formel 1-Fahrern und ambitionierten Amateuren wie Schauspieler Patrick Dempsey gemeinsam in einem Grid.

Die Faszination der 24 Stunden zu beschreiben fällt wohl jedem schwer, der sie einmal live erlebt hat. Steve McQueen bannte ein Teil des Rennens von 1970 auf Zelluloid, auch wenn man ihm in dem Jahr die Teilnahmeerlaubnis zusammen mit Jackie Stewart starten zu dürfen entzog. Der Film gilt zwar als Dokumentation des Rennerlebnisses zu jener Zeit, die Atmosphäre auf Film und live vor Ort jedoch sind wohl zwei paar Reifensätze …
Und so freue ich mich, für autokarma in diesem Jahr live mit dabei zu sein. Das Donnern, Grollen und Beben vor Ort mitzuerleben. Die (An-)Spannung, das Vibrieren. So sehr, dass man jeglichen Umweltgedanken weit nach hinten drängt – auch wenn das Starterfeld es mit diversen Hybrid- und Diesel-Motor-Ansätzen natürlich nicht tut. Denn Le Mans wurde einst als Langstreckentest für Autos erdacht. Ein Härtetest für Material – und Fahrer. Bis in die 1980er Jahre in Zweier-Teams, heute teilen sich drei Fahrer das Cockpit, startet das Rennen am 14. Juni 2014 zum 82. Mal.
Ein Rennen, in dessen Verlauf die schnellsten Fahrzeuge in 24 Stunden mehr als 5.000 Kilometer zurücklegen.

Allan McNish beschreibt für die 2008er Audi-Dokumentation “Truth in 24” eine Runde in Le Mans

Ich wurde nach meinem Tipp gefragt: Wer gewinnt in diesem Jahr das legendäre Rennen?
Ich bin fast versucht zu sagen, dass ich keinen Tipp haben. Denn Le Mans ist einfach unberechenbar.

Ein heißer Kandidat auf den Sieg ist natürlich der Audi R18 e-tron quattro. Drei Fahrzeuge schickt man ins Rennen, wovon die Besatzung um Tom Kristensen meiner Meinung nach als Sieger hervor gehen könnte. Der Däne gilt als erfolgreichster Le Mans Fahrer: bei 17 Starts gewann er das Rennen 9 mal, war Sieger im Vorjahr und teilt sich auch dieses Jahr wieder das Cockpit mit Loic Duval. Unterstützt werden die zwei vom ehemaligen Formel 1 und heutigen Formel E Rennfahrer Lucas di Grassi.
Und so könnte das Fahrzeug mit der Startnummer #1 gewinnen. Wieder. Denn Audi dominiert die 24 Stunden in Le Mans seit Jahren. Spannend wird es trotzdem, denn die Ingolstädter treten diesmal nicht nur wieder gegen Toyota an, sondern auch den Konzern-Bruder Porsche. Mit 16 Gesamtsiegen ist Porsche Rekordhalter in Le Mans, und diesen Rekord will man sich von Audi (bisher 12 Siege seit 2000!) sicherlich nicht vom Brot nehmen lassen. Dafür fährt man mit einem neuen Auto und starken Fahrer-Aufgebot vor – darunter unter anderem Formel 1-Berufsaustralier Mark Webber.
Ein gehöriges Wort wird aber eben auch Toyota mitreden. Die Japaner haben im letzten Jahr eine spektakuläre Leistung gezeigt. Und deshalb …

… werde ich dem Team um Alex Wurz die Daumen drücken und tippe mit dem Herz auf ihn als Gewinner. Der ehemalige Formel 1-Fahrer konnte das Rennen schon 1996 als jüngster Sieger beenden und wiederholte den Erfolg in 2009. Zusammen mit Stéphane Sarrazin und Kazuki Nakajima stellte er seinen Toyota schon letztes Jahr direkt hinter den Gewinner-Audi und wird ihn dieses Jahr aufs Neue hetzen.
Seinen Rennhelm zeigte der Österreicher erst heute auf Twitter. Designed by Alex Wurz ist er ein Unikat, ebenso wie der für die Formel 1 leider zu groß gewachsene Rennfahrer selbst.

Am Schluss haben aber alle Fahrer den unbedingten Wunsch zum Sieg (ihrer Klasse). Sei es nun Neuling Mark Webber oder eben Hollywood-Schauspieler Patrick Dempsey (der im letzten Jahr Platz 4 der GTE Amateur-Klasse erreichte). Sie alle genießen das Adrenalin, das durch ihre Venen pumpt. Genießen den Trubel in den Tagen vor dem Rennen. Fühlen die Faszination der Zuschauer und erleben sie. Le Mans ist kein x-beliebiges Rennen. Le Mans ist Leidenschaft.

Übrigens tippe nicht nur ich einen Gewinner.
Denn meine Fahrt nach Le Mans werde ich nicht allein antreten. Deshalb will ich euch die orakelten Gewinner meiner Mitreisenden natürlich nicht vorenthalten! Lisa von Hyyperlic tippt ihren Gewinner der 24 Stunden von Le Mans auch bereits: den Audi mit der #3 – Filipe Albuquerque, Marco Bonanomi und Oliver Jarvis. Bernd Schweickard hingegen tippt in seinem Preview auf Le Mans 2014 auf einen – in meinen Augen – Außenseiter: Mark Webber, Timo Bernhard und Brendon Hartley starten im Porsche 919 Hybrid als Neulinge, ob es für die Stuttgarter direkt aus dem Stand für einen Sieg reicht?
Sebastian von passion:driving tippt im Le Mans Ausblick ebenso wie Tom von 1300ccm in seiner Le Mans Gewinner-Vorschau wie ich: die Jungs und Mädels von Toyota machen es diesmal. Weil wir es ihnen gönnen. Während Tom (wie ich) auf den Toyota #7 von Alexander Wurz, Stéphane Sarrazin und Kazuki Nakajima tippt, sieht Sebastian Anthony Davidson, Sébastien Buemi und Nicolas Lapierre ganz oben auf dem Treppchen.
Ich bin gespannt, wessen Tipp am Ende mit Champagner sprühen darf – oder ob es doch jemand ganz anderes ist …

autokarma wird live beim 24 Stunden Rennen in Le Mans dabei sein, auf Einladung von Michelin. Der Reifenhersteller konnte bisher 22 Gesamtsiege feiern und ist – als Alleinausstatter der LMP1-H Kategorie seit 16 Jahren ungeschlagen.

Foto: Greenwich Photography, flickr, CC Lizenz

Autor Alexandra Gigold