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Vorsicht, bissig: Der Ford Fiesta ST im Test

Dass es im Kölner Umland Berge gibt, deren enge Serpentinen das Navigationssystem mit Richtungsanweisungen kommentiert, war mir neu. Dem Ford Fiesta ST offenkundig nicht. Der starke Zwerg gräbt sich souverän die Strecke nach oben. Der hat doch heimlich trainiert!

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Dieses Auto ist nichts für Reumatiker, Rentner, Menschen mit Hexenschuss, Bandscheibenproblemen, empfindlichen Pobacken. Es ist nichts für Sensible und Menschen mit Knie- oder Migräne-Problemen, schwacher Rückenmuskulatur, schwachem Magen, dünnen Oberarmen, …
Ford sollte ihm einen Beipackzettel mitgeben.

Powerzwerg aus Köln

Der Ford Fiesta ST ist kein Auto für Jeden.
Mit dem Großstadtauto von Tante Marie aus Lüneburg oder der hippen Susann aus Frankfurt/Main hat der hier nur den Namen gemein.
Ein Fahrwerk wie das Sixpack eines Chippendale, der Motor drehzahlfreudig wie die Disco-Spinne auf dem Rummelplatz und ein Gesicht wie der Hamburger bei Sonne: grimmig erwartungsvoll.
Der Fiesta ST wartet aber nicht auf Regen, sondern die nächste Kurve.

Ja, das 1,6 Liter-Turbotriebwerk zieht den Kleinen auf der Autobahn fröhlich bis zur Marke von 200 km/h (223 km/h lt. Papieren). Aber so richtig schöpft es erst aus den Vollen, wenn man den Fiesta auf Strassen bewegt, die im Kölner Umland an grünen Ortsschildern mit Beschriftungen wie “Scheideweg” und “Habenichts” vorbeiziehen.
Dann drückt der Zwerg seine 182 PS (134 kW) mit aller Kraft auf den Beton. Man spürt förmlich, wie jede Pore des Asphalts ein Stück der Reifen vom Kölner kratzt, als Erinnerung an diese Begegnung. 240 Newtonmeter grapschen nach allem, was an Boden zu finden ist – manchmal ist das selbst der Straße zu viel, und sie lässt kurz los. Nur um sich dem Fiesta ST Sekundenbruchteile später sehnsuchtsvoll wieder hinzugeben.

Vom Stadtei zum Landstraßenjäger

Dieser Fiesta ist kein Stadtauto mehr. Er ist ein Vorstadt-Auto. Eines, mit dem man Morgens den Weg zum Büro absolviert, sich duscht und Peter Ramsauer anschließend telefonisch einen tagesaktuellen Schlaglochbericht abliefert. Man wird jedes Anzeichen von Betonkrebs aufzählen können – denn Po, Rücken, Nackenhaare haben es registriert.
Der Fiesta ST ist ein Brett. Und was für eins!

Das ist an dieser Stelle bei vielen Autos ein Kritikpunkt. Beim kleinen ST ist es ein Lob. Es sei denn, “man hat Rücken”. Dann ist der normale Fiesta die bessere Wahl – glücklich wird man sonst nicht.

Umschlungen von den serienmäßigen Recaro-Schalen sitzt man in diesem gefühlt nur zwei Meter langen Auto und kommt sich vor wie ein Rollstuhlfahrer mit Jet-Turbine. 6,9 Sekunden braucht der Fiesta ST von 0 auf 100 km/h – in Kurven scheint er das Raum-Zeit-Kontinum allerdings auszutricksen.

… was bleibt?

Insgesamt etwas mehr als 100 Kilometer habe ich mich mit dem 2013er Ford Fiesta ST Berge hoch gewunden. Ein kurzer Sprint auf der Autobahn war ebenso dabei.
“Was bleibet Dir vom Kölner Powerzwerg so des Tages im Gedächtnis hängen?”, lässt sich mein altmodisches Männerherz erfragen. Es ist vor allem das harte aber wirklich wunderbare Fahrwerk. Auf der Testroute hat dies unheimlich zum Spaß beigetragen, im Alltag auf längeren Strecken könnte es wiederum eher zur Last werden. Dann ist da der erstaunlich gute Sound des Kölners, der kräftig, aber dezent genug ist, um nicht zu nerven. Ebenso das gute Steuerungsverhalten und der spritzige Zug des ST – dank des Overboosts schafft es der Zwerg kurzzeitig gar auf 290 Newtonmeter. Das alles machen den Fiesta natürlich nicht zu einem Sportcoupé, aber einem gelungenen Spassauto.
Einzig zwei Dinge fallen beim kurzen Test negativ auf: Wie auch beim normalen Fiesta 2-Türer sind die Gurtaufhängungen für die vorderen Sitze wesentlich zu weit hinten. Ohne Verrenkungen kommt man da kaum ran. Zudem ist der zentrale Monitor für das Infotainment-System (mit Navigation) zu klein – mein iPhone 4S ist größer. Das sollte im Jahr 2013 eigentlich etwas größer gehen, Ford.

Ford hat seinen Puma-Nachfolger

Etwas über 23.000 Euro kostet der Testwagen, 19.900 Euro sind der Einstiegspreis – ohne Leder auf den Recaro-Sitzen, dafür serienmäßig mit Doppelrohr-Auspuffanlage inklusive Soundkomposer für den satteren Klang, Schwellerpaket und 17″-Leichtmetallrädern. Für den Preis bekommt man ein breites Lächeln, hohen Puls sowie hin und wieder einen blauen Fleck. Gut angelegtes Geld, wenn man es mit vier Rädern kombinieren will.
Mich erinnerte der Fiesta ST im besten Sinn an den Ford Puma – wie er technisch hätte sein können. Ein paar Jahre später baut ihn Ford tatsächlich als Original Fiesta. Perfekt.

  • Marco H.

    Der Test ist soweit sehr gut geschrieben und mit einem gewissen Witz den man nicht alltäglich liest. Allerdings hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Selbst das Startmodell zum Preis für 19.990 € hat bereits Recaro-Sitze serienmäßig. Zwar nur in Stoff aber es sind Recaros. Recaro-Sitze sind in den USA aufpreispflichtig aber nicht in Deutschland.

    • ThomasGigold

      Hallo Marco,
      vielen Dank – das mit den Recaro-Sitzen war dann wohl ein Missverständnis von mir; die standen in den Ausstattungsliste des Testfahrzeugs auf der Aufpreisliste. Korrigiere ich natürlich umgehend.

      • Marco H.

        Wat war denn dat für ein Testfahrzeug bzw. für ne Ausstattungsliste? Oder wann hast Du den Testwagen bekommen? Die Recaros sind nämlich schon seit der ersten Preisliste vom 1.2.2013 serienmäßig aufgeführt?

        • ThomasGigold

          Testfahrzeug kam von Ford; in der Ausstattungsliste sind “Premium-Recaro-Sportsitze vorn mit Leder-Stoff-Polsterung” aufgeführt – also eindeutig ein Interpretations-/Wissensfehler bei mir; ist oben korrigiert.

          • Marco H.

            Ah ok. Hätten die besser mal nicht nur ne Ausstattungsliste dabei gepackt sondern auch direkt die komplette Preisliste. Dann wäre dieser wirklich kleine Fehler nicht passiert. Kann es ja mal intern anmerken, da ich nämlich im Kölner Ford-Werk arbeite.
            Nächste Woche werde ich mir im Übrigen den ST selber bestellen, in genau der gleichen Farbe wie Dein Testwagen. Und dann natürlich auch mit den Leder-Recaros. :-)

  • Torsten

    Mich erinnert der ST eher an seinen Vorgänger. Den Fiesta ST MK6.

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