autokarma - Das Autoblog für Männer mit Kind und Familie

Willkommen bei autokarma. Hier geht es um Autos, Elektromobilität und mehr. Dieser Beitrag hat Nissan zum Thema.

Nissan Leaf Nismo RC

Nissan Leaf Nismo RC: Rennwagen-Testfahrt unter Strom

Es passiert nicht aller Tage, dass man als Autoblogger ein Auto auf einer Rennstrecke fahren darf. Erst recht nicht, wenn es sich dabei um ein ausgesprochenes Motorsport-Fahrzeug handelt. Der Nissan Leaf Nismo RC ist ein Motorsportler – wenn auch ein ganz Besonderer. Was ihn einzigartig macht – im Artikel lest ihr es!

Für diesen Artikel benötigst Du ca. 04:11 Minuten Lesezeit.

Es passiert nicht aller Tage, dass man ein Auto auf einer Rennstrecke bewegt. Dank Nissan jedoch hatte ich vergangene Woche eben dieses Privileg. Nissan hatte ins Hinterland von Barcelona geladen, um den neuen Nissan Juke Nismo zu präsentieren. Im Rahmen dieser Vorstellung ging es auf den Circuito Castelloli – allerdings nicht mit dem Juke …
Nissan lies es sich nicht nehmen, die versammelten Blogger mit einem echten Rennwagen auf die Piste zu schicken. Dem Nissan Leaf Nismo RC.
RC steht dabei nicht für “Radio Controlled”, um uns Blogger unter Kontrolle zu halten. Es steht für “Racing Competition”, und die Herausforderung nehme ich gern an – denn den Leaf Nismo RC darf ich selbst über die Strecke fahren.

Lediglich 900 Kilogramm bringt der Renn-Leaf auf die Wage. Mit mir und meinem Beifahrer also knapp über eine Tonne. Die Karosserie ist aus Kohlefaser-Verbundstoff gefertig, wirkt aus einem Guss.
“Leaf” heisst diese Rennflunder nicht nur aus Marketing-Gründen. Denn das Herz des Fahrzeugs ist im Grunde baugleich mit dem des Serien-Leaf. Der Elektromotor bringt immerhin 80 kW auf die Straße – wer noch altdeutsch rechnet kann mit 109 PS mehr anfangen. Das ist für ein Motorsport-Auto nicht viel? Nun.

Es geht direkt aus der Boxengasse auf die Strecke. Wenige Minuten vorher konnte ich die Strecke als Beifahrer kennen lernen – einen Vorteil, den mein Kollege Bjoern nicht hatte. Ich kenne also die Strecke zumindest ungefähr, als ich im engen Schalensitz mittels Vier-Punkte-Gurt hinter dem Lenkrad fixiert werde. Der Helm auf meinem Kopf allein ist schon dermaßen ungewohnt, dass ich beim Einsteigen durch die enge Tür kurz hängen bleibe.

Das Auto hat weder eine Servolenkung noch ABS, sagt mir mein Instruktor, der entspannt auf dem Beifahrersitz festgetackert ist. Ich nicke, dann geht es raus auf die Strecke.

Die fehlende Servo-Unterstützung ist zu meiner Überraschung kein Problem. Im Gegenteil – sie hilft dabei, das Gefühl der Kontrolle über das Auto noch ausgeprägter zu haben. Du kannst nicht zu stark einlenken, so weit wie dein Arm geht, gehen auch die Räder nach links oder rechts.
Wesentlich ungewohnter ist da schon die fehlende Bremskraft. Man muss schon ordentlich Muskelkraft investieren. Das führt dazu, dass ich vor den Kurven viel früher auf der Bremse stehe, als ich das mit ABS sicherlich tun würde. Kraft ersetze ich durch Bremsweg – mein Instruktor mahnt: Schneller in die Kurve! Klar, geht, weiß ich. Ich räubere selbst gern durch Kurven. Aber hier ist alles ein wenig anders.

150 km/h Spitze bringt der Leaf Nismo RC auf den Asphalt. Für einen Geschwindigkeitsrausch reicht das nicht. Die Beschleunigungswerte eines Tesla Roadsters sind da besser – aber trotzdem ist die Fahrt in diesem Nissan etwas Besonders. Zum einen zeigt er, dass Spaß am Motorsport nicht vom Geräusch abhängig ist. Der Leaf röhrt nicht, er klingt vielmehr wie eine S-Bahn die aus der Haltestelle fährt. Und während normale Rennwagen einen Novizen wie mich unter Umständen mit dem Motor-Setting und der Schaltung überfordern würden, verlasse ich mich beim Renn-Leaf hier auf meine Arcade-Fähigkeiten aus Need for Speed und Co. Denn wo ein Elektromotor als Antrieb, da kein Getriebe, keine Schaltung, kein Aufwand. Gas geben, Bremsen, die Ausfahrt auf dem rund vier Kilometer langen Rennkurs genießen.

Insbesondere in den Kurven ist der Leaf Nismo RC seinen herkömmlichen Brüdern mit Verbrenner-Motoren eigentlich überlegen. Denn trotz der geringen Endgeschwindigkeit macht eben dieses “arcadige” ihn zum Kurven-Zeit-Räuber. Denn weil das Leistungsmoment jederzeit voll und immer bereits steht, zieht er ohne Unterbrechung und mit maximaler Kraft auf den Kurven raus. Das spürt man dann zuweilen auch schon recht gut. Dabei helfen die dicken Reifen (18 Zöller immerhin) allerdings, den Leaf auf der Spur zu halten.

Gern hätte ich den Leaf noch ein paar mehr Runden über den Kurs rennen lassen. Erst in den letzten zwei, drei Kurven hatte ich das Gefühl insbesondere das Bremsverhalten des Autos richtig einzuschätzen und meine Kraft korrekt einzusetzen. Leider war nach einer Runde aufgrund der wenig vorhandenen (Akku-)Zeit jedoch wieder Schluss. Aber das müssen wir unbedingt wiederholen, Nissan! ;)

Das Motorsport-Team von Nissan Nismo hat bislang acht Leaf RC auf die Räder gestellt. Jeder hat einen Wert von rund 100.000 Euro – aufgrund der Serien-Antriebstechnik noch vergleichsweise günstig. Ob es zu einem Markenpokal kommen wird ist derweil allerdings ungewiss. Sicherlich auch aufgrund des größten Nachteils dieses Flitzers: Nach 20 Minuten nämlich geht im der Saft aus. Und Nachtanken braucht dann erheblich länger als die wenigen Sekunden, in denen seine Öl-verliebten Brüder wieder auftanken können … Aber wir werden sehen, vielleicht überrascht uns der Leaf Nismo RC Cup ja, mit actionreichen Rennen in Stadtparks – Krach, Öl- oder Abgasgeruch zumindest würden da nicht stören.

Bilder: Gemacht vom Kollegen Mikhail Bievetskiy (NewCarz), und auch wenn ihr es nicht glaubt – hinter dem Lenkrad sitze ich ;)
Kollege Jens Stratmann hat den Leaf auch eine Runde über den Parcours gejagt.


Videomaterial: Nissan