autokarma - Das Autoblog für Männer mit Kind und Familie

Willkommen bei autokarma. Hier geht es um Autos, Elektromobilität und mehr. Dieser Beitrag hat BMW und Fahrbericht zum Thema.

BMW M235i im Fahrbericht

Der BMW M235i im Test – Der Spieler

24 Stunden Las Vegas. 24 Stunden mit dem BMW M235i. Der erste Test des kompakten BMW 2er macht viel Freude und eins klar: der ist eine Sünde wert!

Für diesen Artikel benötigst Du ca. 10:27 Minuten Lesezeit.

Licht. In jeder erdenklichen Form.
Wer in diese Stadt kommt will sie leuchten sehen.
Und ähnlich, wie die pulsierenden Leinwände auf der wohl bekanntesten Entertainment-Meile der USA, funkeln nach einem Tag mit dem BMW M235i auch meine Augen. Ich bin in Las Vegas. Ausgerechnet. Die Stadt der Spieler, Glücksritter und Unterhaltungssüchtigen. Vegas. Um einen Münchener zu treffen. Für eine Nacht.

Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas

Junggesellenabschiede feiern viele männliche US-Amerikaner in der Stadt der Sünde. Und so kommt es, dass einem auf dem Las Vegas Strip als Kerl unentwegt Gutscheine, Coupons und Wegweiser zum nächsten Striplokal angeboten werden. Das menschlich Schärfste allerdings, das ich in diesen Tagen in Vegas sehe, sind die Bedienungen bei Hooters. Schlechte Burger, riesige Fernseher und knappe rote Outfits.

Genau dieses knappe rote Outfit trägt auch der BMW M235i, der als Testwagen vor meinem Hotel steht.
Das neustes Kompakt-Coupé präsentieren die (Mädels und) Jungs von BMW in der staubtrockenen Wüste von Nevada. Ein Auto mit drei Litern Hubraum, 240 kW (326 PS) und 450 Newtonmetern maximalem Drehmoment. Ausgerechnet Las Vegas. Ausgerechnet in einem Bundesstaat, in dem hinter jedem vertrockneten Busch ein Sheriff stehen und die weithin geltende Geschwindigkeit von 45 Meilen pro Stunde vehement und zur Not auch unter Einsatz eines breiten Lächelns sowie einer großen Schusswaffe einfordern könnte … Klischee? Ja. Aber hier draussen wohl ein wahres.

Auf der anderen Seite passt dieses Auto so wunderbar hier her. An den größten, lautesten und buntesten Ort dieses staubtrockenen Fleckchens Erde. Ins Land der Widersprüche. Ins Land der Monstermotoren aus vergangenen Tagen, deren Sound noch immer Gänsehaut verursacht, aber doch in Stahl gegossene Unvernunft ist. Eben weil diese dicken Motoren im US-Alltag so gelangweilt und unterfordert durchs Land ziehen.

Unterfordert bleibt auch der BMW M235i hier – ein kompaktes Coupé mit dickem Turbo-Reihensechszylinder.
Ein Auto, dass Augen zum funkeln bringt. Nicht, weil sich das Licht der Neonschilder auf dem Strip in ihnen spiegelt. Sondern, weil dieses Coupé ein rundum gelungenes Spaßauto ist. Die Essenz der BMW Markenwerte.

Und deshalb wäre es viel zu schade, euch nicht zu erzählen, was in Las Vegas passiert ist.

Was in Vegas passierte

Während im Osten der USA die Bevölkerung vor dem Winter zittert, scheint in Las Vegas die Sonne. Wunderbare 42 Grad Fahrenheit, trocken. Ich merke mir die Umrechnungsvariable für Fahrenheit während meines ganzen Aufenthaltes nicht – aber es ist irgendwas um die 20 Grad Celsius. Wärmer als daheim, in Leipzig.

Mit Leipzig hat Las Vegas neben der annähernden Bevölkerungszahl in diesen Tagen noch zwei Dinge gemein. Das „L“ als Anfangsbuchstabe und einen waschechten Sachsen. Denn das BMW 2er Coupé läuft in der Heldenstadt von den BMW Bändern. Nun also treffen wir beide uns rund 9.000 Kilometer entfernt von der Heimat, um uns kennenzulernen. Ein heißer Urlaubsflirt, der uns eines der Naherholungsgebiete in Nevada führt.

Das Valley of Fire sieht aus wie das australische Outback, nur mit Felsen. Und stetig ermahnenden Geschwindigkeitsschildern. Denn mit den USA ist es offenkundig so, dass im Land of the Free zumindest auf den Straßen nicht mehr viel Freiheit herrscht. Ja, sie ziehen sich schier unendlich durch das ockerfarbene Land. Im Vergleich zu den deutschen Bahnen der Geschwindigkeits-Freiheit jedoch sind die Free Ways der USA scharf in der Geschwindigkeit begrenzt.
Und so kommt es, dass die Ausfahrt mit dem stärksten Kompakt-Sportler aus München auf Straßen stattfindet, die zwar durch eine wunderbar surrealistische Landschaft führen, den kleinen Kraftprotz aber auch unterfordert. An Schildern auf denen 45 Meilen pro Stunde Höchstgeschwindigkeit gefordert werden, komme ich auf der Tour durch das Valley of Fire unzählige Male vorbei. Dabei verleitet die Straßenführung durchaus zum Gas geben … . Der BMW M235i lächelt über derlei Dinge, der Tester am Lenkrad hingegen weint.

Dafür kann der Münchner zumindest sein Talent zur Vernunft hier ausgezeichnet zeigen. Fahrwerk und Sitze weisen trotz der spürbar sportiven Abstimmung noch genügend Rest-Alltagstauglichkeit auf, damit selbst die Wüstenstraßen hier draußen in Nevada dem Fahrer nicht den letzten Nerv und Zwischenraum im Rückgrat kosten. Deutlich spürt man zwar die Untergrundbeschaffenheit, trotzdem quittiert das Fahrwerk nicht jedes querulant umher liegende Steinchen mit harten Rückstößen an den Fahrer.

Reihensechszylinder, Hinterradantrieb – Ein BMW!

Im Stand brummelt der Reihensechszylinder zwischen den roten Felsen sanft vor sich hin, bollert und schmatzt beim Aufruf der Pferdehorde jedoch satt los. Das Triebwerk weist BMW mit einem kombinierten Verbrauch von 8,1 Litern aus, aber ich bin ehrlich: während der gesamten Fahrt wich mein Blick nicht ein einziges mal auf die Anzeige des Durchschnittsverbrauchs im Cockpit.
Wer einen BMW M235i kauft wird dies nicht wegen des dann im Verhältnis doch sparsamen Aggregats tun. Vielmehr kauft man das Topmodell der BMW 2er Reihe aufgrund seines gekonnten Vermögens eine große Menge an Benzin in eine große Menge an Kraft umwandeln zu können: 450 Newonmeter, die dank Hinterradantrieb hemmungslos auf die Straße ballern dürfen. Sofern der Fahrer es dann laut Verkehrsschildern darf …
Dabei spricht der Motor direkt und aus jedem Zustand heraus an – die volle Leistung entwickelt er über den Bereich von 1.300 bis 4.500 Umdrehung – ein Turbo- oder Leistungsloch sucht man vergebens. Dafür schmatzt er beim Tritt aufs Gaspedal ordentlich und zupft am Hemd des Fahrers. So muss ein BMW daher kommen: ein Gentleman, der auch ein Arschloch sein kann.

Für den erfolgreichen und auch gewollten Wandel zwischen den Welten sorgt auch im BMW 2er der Fahrerlebnisschalter. In den habe ich mich bereits beim aktuellen BMW 1er verliebt. Und ebenso wie beim technisch nahen Verwandten spürt man die unterschiedlichen, per Knopfdruck ausgeführten, Einstellungen, zuweilen deutlich. Während man im Comfort Pro-Modus noch recht bequem dahin gleitet wird der BMW im Sport- und Sport+-Modus zum Biest. Aus dem sportiven Jekyll wird der monsternde Hyde.

Irgendwann auf diesem Trip weicht der Highway nach links, während es geradeaus auf eine kleine privaten Seitenstraße geht. Endlich darf der BMW mal eben zeigen, was er wirklich zu leisten in der Lage ist. Aus dem Stand heraus schießt das kleine Coupé dank der Launch Control binnen 4,8 Sekunden. Ohne Achtgang-Automatik und Kontroll-Wunderwaffe schafft man den Sprint aus dem Stand zumindest noch in 5,0 Sekunden. Damit entwischt man gar den rund 100 Kilo schwereren und teureren BMW 435i Coupé an der Ampel …

Die Launch Control – erstmals in einem kleinen BMW zu finden – ist eine wirklich Freude hoch treibende Investition. Allerdings muss man den BMW schon ein wenig kitzeln, um die Funktion zu aktivieren: Sport Plus-Taste drücken, S-Modus am Getriebe wählen, kurz Gas geben, Bremse loslassen und dann GO! – dann lässt der BMW 2er gar einigen Gummi auf der Straße. Zusammen mit dem mechanischen Sperrdifferential – welches es leider nur über das BMW M Performance Zubehör-Programm als Nachrüst-Stück gibt – macht es den BMW M235i zu einer richtigen kleinen Giftspritze.

Hinter dem Lenkrad des BMW M235i

Schon das BMW 1er Coupé war eine kleine Bombe auf der Straße, und der BMW M135i als Hatchback begeisterte bereits diverse Kollegen. Mit einem breiteren Kreuz und gewachsener Spur liegt der 1er Coupé-Nachfolger noch besser auf der Straße. Dabei bekommt man vor allem auch hinter dem Lenkrad von den paar Zentimetern an „Mehr“ viel ab, denn im Innenraum hat man etwas mehr Ellenbogenfreiheit. Auch die beiden hinteren Sitze sind zumindest auf kurzen Strecken für Erwachsene erträglich. Alltagstauglich macht das kleinste BMW Coupé der Kofferraum: immerhin 290 Liter passen da rein.

Auffällig, wenn man BMW gewohnt ist: es gibt leider kein HUD. Dabei cruist BMW gerade beim Head Up Display meilenweit vor dem Wettbewerb. Auf der anderen Seite: was soll’s. Gerade beim BMW M235i lernt man eben, das Popometer als Geschwindigkeitsmesser zu nutzen.

Geradeaus ist dem BMW 2er seine Genveranlagung nicht. Straight forward können andere. Er ist ein wilder Kurvenräuberer. Die präzise Lenkung des gut in der Hand liegenden M Sportlenkrads, das serienmäßig 10 Millimeter tiefere M-Sportfahrwerk und die ausgewogene Gewichtsverteilung (perfekte 50:50) machen den BMW M235i zu einem wirklich wunderbar austarierten Sportler. Der ist dabei noch immer so gutmütig, dass er kleine Fehler verzeiht und die Assistenzsysteme selbst im Sport+ Modus dann eingreifen, wenn man es übertreibt. Für manch einen vielleicht noch immer zu viel Technik, aber all jene müssen dann eher auf einen puren BMW M2 hoffen …

Im Innenraum trübt sich die Freude über die Dynamikeigenschaften bei den aktuellen BMW immer ein wenig. Das Interieur ist wie immer gut verarbeitet, das neue BMW ConnectedDrive System ein Sahnestück unter den Infotainment-Systemen. Aber mit der Plastiklandschaft muss man sich anfreunden können – das kann Audi beim A3 beispielsweise ein Stück weit besser, dort wirkt die Plastik zumindest etwas wertiger.

Zudem ist die Serienausstattung für den Fahrer selbst beim BMW M235i eher mittelmäßig. Klar, Klimaanlage gibt es, sonst leider nicht all zu viel, ausser einer großen Optionenliste. Und auf der steht am Ende selbst der heute doch fast schon obligatorische USB-Anschuss. Auch war im Tester nur die Standard-BMW-Variante des Lautsprecher verbaut, die in meinen Ohren etwas Basslastiger sein dürfte. Hier würde ich im Zweifel doch das harman/kardon-Lautsprechersystem in der Optionenliste anklicken – kostet am Ende überschaubare 790 Euro.

BMW M235i gegen den Rest der Welt

Das Design des BMW 2er ist rundum gelungen. Der erste Vertreter einer neuen Baureihe tritt nicht nur marketingtechnisch in die Fussstapfen seines 45 Jahre alten Ur-Großvaters. Sein Design verbindet ihn mit dem legendären BMW 2002 ebenso, wie mit den aktuellen BMW Modellen. Das wirkt insgesamt stimmig. Ein einziges Merkmal stört mich am M235i jedoch: die vom Körper farblich abgegrenzten Spiegel. Die wirken ein wie Ohrenschützer, kommen allerdings beim M235i serienmäßig. Wohl auch, um den „halben M2“ vom normalen BMW 2er mit M Sportpaket abzugrenzen. Sonst nämlich sind die Unterschiede optisch zumindest auf den ersten Blick nur marginal.

Mindestens 43.750 Euro für den M235i mit manueller Schaltung muss man investieren, will man Fahrfreude in diesem kompakten Sportbereich. Die wesentlich empfehlenswertere Acht-Gang-Automatik mit Schaltwippen (und Launch Control) kostet noch einmal 2.250 Euro Aufpreis.
Stellt sich die Frage: ist der Preis für dieses Auto gerechtfertigt?

Ja. Der BMW M235i ist jeden Penny wert, um kurz noch einmal auf den US-Trip zurück zu kommen.
Vor allem, wenn man sich die Fahrzeugsparte der sportiven Kompakten einmal ansieht, was Kollege Jens Stratmann ausführlich getan hat: Das BMW Coupé tritt gegen den teueren Mercedes A 45 AMG sowie den Audi S3 an.
Im Quartett sähe es auf technischer Basis dann wie folgt aus:
Zylinder: Stich BMW – sechs zu vier (Audi und Mercedes).
Hubraum: Stich BMW – drei zu zwei (Audi) und 1,5 (Mercedes).
Leistung: Stich Mercedes, bei 265 gegen 240 (BMW) und 221 (Audi) kW. Beschleunigung: Stich Mercedes, bei 4,6 zu 4,8 (BMW) zu 5,2 (Audi).

Allerdings: unterm Strich verlangt Mercedes für die 0,2 Sekunden Startvorteil beim Händler 6.000 Euro mehr. Und die Latte liegt mit dem AMG dann schon oben – beim BMW könnte es in ein, zwei Jahren allerdings durchaus noch einen reinen BMW M2 geben. Potential also für den vollständigen Sieg im Wettbewerb.
Wieso am Ende der BMW trotzdem gewinnt?
Weil er im Vergleich zu seinen Wettbewerbern ein Unikum ist. Hinterradantrieb, Sechszylinder, … Auch, wenn er auf dem Papier der reinen Mercedes AMG Version vorerst Platz einräumen muss – er bietet mit dem wohlig blubbernden Aggregat und dem leicht in Schwung zu bringendem Heck einfach mehr Fahrspass als der Schwabe.

BMW 2er – Mein Testfahrt-Fazit

Sind wir ehrlich.
Die Frage bei einem Auto wie dem BMW M235i ist nicht, ob man ihn braucht, ob er alltagstauglich ist, oder ob er Spaß macht. Kurz: “Nein.”, „Ja.“ und “Ja, mit Ausrufezeichen!”.
Der BMW M235i ist vielmehr ein Dessert. Sicherlich langen die Münchner mit einem Basispreis von 43.750 Euro bei dem kompakte Sportcoupé ordentlich zu. Doch der Preis ist gerechtfertigt. Uneingeschränkt. Denn der M235i ist einzigartig. Und er dürfte die Fusstapfen des nunmehr 45 Jahre alten BMW 2002tii, in die er da tritt, locker füllen. Der M235i ist kein Schnäppchen, aber dank Hinterradantrieb ist er wie der tasmanische Teufel Taz aus den von Vegas nicht so weit entfernten Warner Bros. Studios: gefährlich, vom aussterben bedroht und ein echter Spaßbringer. Ein – so abgedroschen es klingen mag – echtes Sahnestück.

  • WimmelGamer

    Wie viel kostet der? Ich würde ihn gerne erwerben und damit fahren!

    • ThomasGigold

      Hi, für den M235i mit manueller Schaltung sind mind. 43.750 Euro fällig. Die gefahrene 8-Gang-Automatik kostet Aufpreis.