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BMW i3 an Ladestation

Ist der Hype um Elektro- und Hybrid-Autos 2015 wieder vorbei?

Der Ölpreis befindet sich auf einem Tief – Autofahrer freut das, doch es könnte der Todesstoß für die aufblühende Elektro- und Hybrid-Welt der Automobilhersteller sein.

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Ohne staatliche Förderung werden wir 2015 weniger reine Elektroautos verkaufen als 2014. Und das ist dann schon traurig. Bei den Plug-in-Hybriden wird der Hype dann 2016 zu Ende gehen.

Ich halte nicht viel vom “Auto-Professor” Ferdinand Dudenhöffer. Der gute Mann hat es irgendwie geschafft immer dann als “Experte” von den Medien rangeholt zu werden, wenn man zur Bestätigung einer These ein Zitat aus der Automobilbranche benötigt.
That said, diesmal jedoch könnte er gar Recht behalten.

Öl ist so günstig wie lange nicht mehr. Und das ist ein Problem für Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge. Denn der günstige Ölpreis setzt ein verkehrtes Signal – für den Verbraucher nämlich zeigt er, dass die “Ölknappheit” doch nur herbei geredet ist.
Dabei ist er eher die Konsequenz eines Kampfes. Denn dank des umweltschädlichen aber teuren Frackings in den USA wächst die Fördermenge. Die ölfördernden arabischen Staaten denken jedoch nicht dran, ihre Fördermengen zu verringern – sie wollen die USA ausbluten lassen, wollen, dass sich das Fracking nicht mehr lohnt, wenn der Ölpreis sinkt.
Der Ölpreis könnte also schnell wieder steigen. Oder auf dem niedrigen Niveau bleiben – kommt ganz darauf an, wie lange die beiden Ölproduzenten Saudi-Arabien und USA durchhalten.

Wenn der Preis fällt, dann fällt er. Andere wird das bereits dann hart treffen, wenn wir noch gar nichts davon spüren.
Saudi-Arabiens Ölminister Ali Al-Naimi

Für 2015 können wir als Autofahrer uns auf jeden Fall über günstige Preise an den Tankstellen freuen. Das Überangebot ist aktuell riesig und Experten gehen davon aus, dass der Preis erst mittelfristig wieder steigen wird.

Schlechte Nachrichten für die Elektrifizierung der automobilen Welt.

Natürlich wird das Öl-Angebot in den kommenden Jahren wieder verknappt werden – und der Ölpreis deutlich steigen. Zum einen, weil sich die ölfördernden Staaten das Spiel nicht zu lange leisten werden wollen. Zum anderen aber auch, weil die Welt trotz zunehmender Gedanken um Umwelt und Verbrauch noch immer mehr Öl benötigt. Schuld daran sind vor allem die Schwellenländer, wie China, Indien oder die südamerikanischen Staaten. So liegt der aktuelle Bedarf an Öl bei ca. 93 Millionen Barrel pro Tag. Ende 2015 könnte er bereits bei 94 Mio. liegen, in 10 Jahren bereits bei 100 Millionen.

Seit Anfang 2014 gibt es auf dem Weltmarkt ein höheres Angebot, als Nachfrage. Das bedeutete: sinkende Preise.
Seit einigen Monaten spüren wir dies auch an den Tankstellen deutlich. Und das ist beim Neuwagenkauf natürlich fatal. Denn es sendet ein falsches Signal – wenn Öl wieder billig ist, überlegen wir beim Thema Verbrauch natürlich nicht mehr so stark. Aber das ist ein Fehlschluss. Denn der niedrige Ölpreis wird wieder verschwinden, wird steigen.

Für die Hersteller ist aber diese Phase die kritische.
Denn genau jetzt kommen nach Jahren der Unentschiedenheit und Entwicklung endlich die Hybride und Elektrofahrzeuge auf den Markt, die es braucht. Allein bei den deutschen Herstellern: Audi wagt sich mit den eTron-Fahrzeugen endlich ins Segment, BMW muss sich mit dem i3 beweisen und steht im Jahr 2015 vor einer beispiellosen Hybridisierung der gesamten Fahrzeugpalette. Der eGolf und Golf GTE müssen zeigen, dass sich der Entwicklungs-Aufwand lohnt. General Motors hat just zur CES den neuen Volt / Opel Ampera vorgestellt.
Wenn diese Fahrzeuge nicht die Absatzziele erreichen, fallen wir wieder in ein Elektroloch – denn Angebot und Nachfrage sind in einer Marktwirtschaft abhängig. Und dann bedeutet dies tatsächlich: das Angebot von Elektro-Fahrzeugen wird wieder sinken, just in dem Moment, in dem der Ölpreis dann über dem Level von 2014 ist.

Tillmann-Volker Kaiser hat in der in den 1990ern ausgestrahlten TV-Comedy-Talkshow T. V. Kaiser immer überzogen dramatisch gesagt: “Ein Teufelskreis!“.

Auf der anderen Seite sehen wir die Hersteller neue Realitäten akzeptieren. Der Wettbewerb findet heute zunehmend nicht mehr im Bereich “Antriebstechnologie” statt. Allein die Vielzahl der Automobilhersteller auf der aktuell in Las Vegas stattfindenen CES zeigt dies – Toyota, GM, BMW, Mercedes, Volkswagen, Audi, … All diese Hersteller präsentieren eine Fülle an Neuheiten auf einer Entertainment-Technologie-Messe, nicht auf der in einer Woche startenden Automobil-Messe in Detroit.
Toyota nutzte den Auftritt dort jetzt, um anzukündigen, dass man insgesamt rund 5.680 Patente für die eigene Brennstoffzellen- und Wasserstoff-Technologien den Wettbewerbern kostenlos zur Verfügung stellen werde. “Um den Markt in Bewegung zu bringen”, wie es Toyota formuliert.
Der Akt wird wirtschaftlich wenige Auswirkungen haben, die Symbolkraft indes ist groß. Denn es ist ein Zeichen: Motorentechnologie ist nicht mehr entscheidend, zumindest für die Hersteller nicht. Die sind nach dem 2007 begonnenen Hype um Hybride schon wieder weiter gezogen, während wir Kunden uns noch immer über ein paar Hundert Euro mehr oder weniger den Kopf zerbrechen.

Das Elektroauto muss zum neuen SUV werden (Jan Traenckner im Manager Magazin) – wir müssen realisieren, dass die Technologie notwendig ist. Nicht nur für uns, auch für die Zukunft.
Zeit, uns von all den seltsamen Vorurteilen (Continental-Studie zur Elektromobilität mit ernüchternden Ergebnissen) zu befreien!

Wir werden zu einer bunten Welt der Antriebstechnologien kommen – günstige (Plug-In-)Hybride, Stromer und Wasserstoff-Autos werden uns befördern. Irgendwann gar ohne unser Zutun.
Die Frage ist nur: Kommen wir auf einem direkten Weg dort hin. Einem, der für uns und die Umwelt gut wäre?
Oder spielen wir das Spiel der ölfördernden Staaten mit, und legen eine “Umweltgewissenspause” ein? Eine, die uns, den Markt und Umwelt wieder ein paar unnötige Jahre Vorsprung kosten könnte?