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Sitzprobe im neuen Mondeo – Ford, wir müssen reden!

Keine Begeisterung mag aufkommen, bei der ersten Sitzprobe im neuen Ford Mondeo. Seit zwei Jahren teasert Ford den neuen, künftigen Bestseller – und patzt dann bei der Materialauswahl des Innenraumes …

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Mit gründlicher Verspätung kommt der neue Ford Mondeo endlich auch in Europa zu den Händlern. Die atmen wahrscheinlich erst einmal auf – nur, um danach das Lächeln wieder aus dem Gesicht zu verlieren.

Denn so gelungen das Äußere und die Motorenwahl des Neuen ist, so ernüchternd ist sein Inneres.

Hatte ich bei der ersten Sitzprobe im Ford Fusion – dem Namen, unter dem Ford das Auto in den USA verkauft – noch die Hoffnung, Ford würde bei der europäischen Version im Innenraum noch etwas mehr Qualität auflegen, muss ich nun enttäuscht erkennen: Nein, machen sie nicht.

Auf dem Pariser Mondial de l’Automobile nahm ich erstmals in der europäischen Version des Ford Mondeo 2014 Platz – und war enttäuscht.
Der Mondeo überrascht im Innenraum – leider zumindest mich nicht unbedingt positiv.

Bester Aspekt soweit: die Sitze weisen wie immer bei Ford eine gute Sitzqualität und – zumindest soweit im Stand beurteilbar – ausreichend Seitenhalt auf. Zudem bleibt Ford der Linie treu, die hintere Sitzbank für drei Menschen auszulegen. So sind die Sitzflächen sind nur minimal ausgeformt, was den “Notsitz” in der Mitte nicht zum Sitz-Schuhkarton macht, sondern zu einem annehmbaren Platz, selbst auf längeren Reisen. Als Familienvater weiß man das zu schätzen und vermisst eben genau dies bei vielen aktuellen Fahrzeugen, die dazu übergehen die hintere Sitzbank als Reihe für nur noch zwei Mitfahrer auszulegen.

Dann aber hören die positiven Eindrücke fast schon auf.
Denn leider verschlingt der Mondeo die Fahrer beim Einsteigen in einer Plastik-Hölle unschönen Ausmaßes. Die Haptik ist schlecht, die Kanten hart und die Qualität wirkt selbst in der hochwertigen Titanium-Version (Bilder) meines Erachtens eher billig.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich mag den Mondeo, fahre das Vorgänger-Modell selbst im Alltag und bin ein Fan. “Der”, schrieb ich vor einiger Zeit hier bereits im Blog, “wird mein neues Auto.”
Aber Ford, nach der ersten Sitzprobe machst du es mir echt schwer.

Das Lenkrad liegt noch einigermaßen gut in der Hand, doch schon beim Armaturenbrett fängt das Problem an. Zwar verzichtet Ford endlich auf die Knopf-Armada, die einem beispielsweise im Fiesta oder bisherigen Focus noch so erschlägt. Dafür spart man aber dann auch wieder am Material – der Kunsstoff wirkt nicht gut, fühlt sich rau an. Die Mittelkonsole ist trist. Selbst das höherwertige Sony-Radio der Titanium-Ausstattung kommt in einem Look daher, der aus dem letzten Jahrhundert zu stammen scheint. War das Infotainment-System im Vorgänger und Vor-Vorgänger noch in einer qualitativ anmutigen Silber- oder Klavierlack-Optik verpackt, gibt es jetzt graue, lustlos eingepflasterte Plastik, deren Haptik einfach minderwertig scheint.
Klavierlack gibt es hingegen zwischen Ganghebel und Mittelarmlehne – da, wo sie garantiert einige Kratzer von Knöpfen und Bechern in den (zwei) Becherhaltern abbekommt. Auch das Klavierlack-Inlay um die Türinnengriffe und Fensterheber-Schalter in den Türen ist vielleicht nicht unbedingt die beste Entscheidung.

Übrigens: in der premiumbehafteten Vignale-Ausstattung wird man mit der günstigen Materialanmutung ebenso konfrontiert werden. Eine andere Abhebung oder Einfassung des Infotainment-Systems in der Mittelkonsole bekommt man nicht.
Genau das ist aber das optische Problem: die Mittelkonsole wartet mit verschiedensten Plastik-Sorten auf, die nicht zusammen passen wollen. Da trifft Klavierlack auf eine wenig erbauliche Umrandung aus grauer Plastik und die wiederum auf ein Infotainment-System, auf dem Fingerabdrücke so leicht zu hinterlassen sind, wie rote Tomatenkleckse auf einem weißen Hemd.
Die Ablage-Flächen hinter dem Ganghebel sind zudem nicht nur schwer erreichbar – da das eigene Handy wieder heraus zu fädeln wird ein Spaß! -, sondern auch in einer kratzempfindlich Oberfläche gehalten. Lange unbeschädigt werden die bei häufiger Nutzung nicht bleiben.

Ich weine.
Wirklich. Wieso schafft es Ford nicht, wenigstens die nach Aluminium aussehenden Elemente wie Aluminium wirken zu lassen. Die silbern lackierten Teile werden stattdessen binnen kurzer Zeit abgegriffen sein – von einer fühlbaren “Kühle”, wie sie echtes Aluminium liefert (und wie sie übrigens durchaus einige Hersteller hin bekommen) nichts zu spüren.

Der Innenraum des Ford Mondeo wirkt leider lieblos. So, als hätte man einer schönen Hülle keine Seele einhauchen können. Das versucht man dann durch Airbag-Gurte, allerlei Assistenz-Systeme und den Vignale Diensten auszugleichen. Dass man haptisch aber 2014 noch so enttäuscht werden kann, hätte ich ehrlich gesagt wenig für möglich gehalten. Insbesondere zum jetzt gleichzeitig startenden neuen Passat, dem ewigen Dauerwettbewerber, sticht man da bei Ford wohl wenig.

Ob zumindest die Fahrwerte stimmen? Ich werde den Neuen im November testen dürfen, in den kommenden Tagen könnt ihr euch einen ersten Eindruck bei Bjoern von mein-auto-blog und Fabian auf autophorie machen. Ich bin gespannt, was die beiden über den traurigen Anblick im Innenraum und die fahrdynamischen Werte des neuen Ford Flaggschiffs zu berichten haben.

PS: Ford, wer bei euch ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass sowieso schon kleine Handschuhfach noch einmal in zwei Etagen zu unterteilen?