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Trabant-nT-Titel

Nostalgie mit Elektro-Power? Der Trabant nT auf dem Abstellgleis.

Auf der IAA 2009 war er der heimliche Superstar: Der Trabant nT. Als Retro-Auto mit Elektroantrieb sollte er 2012 sein Comeback feiern. Bisher jedoch sieht man von ihm nichts. Woran es liegt – im Artikel.

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Er war der heimliche Star der IAA 2009 – der “Trabant nT”. Das Concept Car der sächsischen indiKar zog nicht nur Blicke, sondern auch Fernsehkameras wie ein Magnet an. Keine Kamera kam an der Neu-Inszenierung des legänderen DDR-Volkswagens vorbei.

“nT” steht für “new Technology”. Und wer sich an den Trabant als papperne, verkehrsaufhaltende Zwei-Takt-Dreckschleuder erinnert – und vielleicht nostalgiert – wird vom Trabant nT überrascht. Denn der gibt sich umweltfreundlich: Umweltfreundliche Materialien, Elektroantrieb und Solarzellen auf dem Dach. Noch umweltneutraler kann ein Auto heute kaum konzipiert werden.

Jedoch: “konzipiert” bedeutet beim Trabant nT auch, dass man noch weit entfernt von einer Serienfertigung ist. Bei der Premiere des Concept Cars 2009 gab man sich positiv gestimmt: Einen Markteintritt im Jahr 2012 strebte man an, auch wenn es bereits damals an noch so einigem fehlte, um aus dem Traum Realität werden zu lassen – Partner, Geld und Produktionsstandort.

Trotzdem, indiKar-Geschäftsführer Ronald Gerschewski zeigte sich damals im Gespräch mit mir zuversichtlich. Der Chef des Karosseriebau-Unternehmens, das sich dem dem Design und Bau des Trabant nT-Prototypen seit 2007 verschrieben hatte, war mit dem bisherigen Feedback zufrieden. Bei Publikum und potentiellen Investoren kommt der Trabant nT gut an, berichtet Gerschewski: “Ich habe gestern von all den Besuchern nur ein negativen Kommentar gehört. Kritiker gibt es überall, aber eine einzige Stimme von sicherlich mehr als 200 Besuchern ist absolut in Ordnung.”

Den Auftritt auf der IAA nutzte indiKar damals vor allem auch für die Suche nach Investoren. Ein Unterfangen, das in Zeiten der Krise, die sich damals bereits andeutete, nicht einfach war. Dessen war sich auch Gerschweski bewußt. Er sah trotzdem Chancen. Für die Realisierung des Projekts ebenso, wie für potentielle Investoren: “Hier bietet sich eine einmalige Chance, mit einem neuen, unbelasteten Produkt an den Markt zu gehen. Und das in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit und neue Antriebstechnologien mehr den je gefragt sind.”

Wunschinvestor für indiKar wäre ein Unternehmen aus der Autobranche, “aber auch ein Konsortium oder ein Investor aus der Energie-Branche” wäre vorstellbar. “Wir können das Konzept Fahrzeug hier neu definieren. Sicherlich braucht das Mut, aber ‘Trabant’ ist eine weltweit eingeführte Marke, die jetzt nur besser werden kann, als es das Original war”, so Gerschewski.

“Das Verständnis von Mobilität ändert sich. Für ein Elektroauto ist das ein guter Zeitpunkt”, zeigte sich Gerschewski damals überzeugt. “Der Trabant nT ist als Stadtwagen konzipiert. Er ist absichtlich einfach, ohne viel Technik oder übertriebenen Motor gehalten, denn er ist für kurze Strecken gedacht. Es ist unwichtig wo die Höchstgeschwindigkeit liegt – die beträgt 130 km/h -, denn er soll in der Stadt gefahren werden. Wir werden den Zweck eines Autos künftig über dessen Antrieb definieren. Elektro für die Stadt, Verbrennungsmotoren oder Hybrid-Antrieb für Langstrecken-Fahrten.”

Es fiel mir schon damals nicht leicht dem Enthusiasmus Gerschewskis zu folgen, auch wenn der indiKar-Chef einen durchaus mitriss. Dass Gerschewskis Optimismus zum Teil aber eine Fehleinschätzung war, muss sich indiKar heute eingestehen.
Wir haben 2012. Und vom Trabant nT ist nichts zu sehen.
Im Gegenteil. Das sächsische Unternehmen muss auf Nachfrage von Green Motors einräumen, dass das Projekt auf Eis liegt.

Im Gespräch vor drei Jahren sagte Gerschewskis noch: “Natürlich ist die Batterietechnik noch teuer. Da ist sicherlich auch ein Punkt, den man beim Trabant nT noch bedenken muss – wie wir mit den Batterien umgehen. Ob wir die verkaufen, leasen oder vermieten. Aber die Welt steht vor einem Boom von alternativen Antrieben und Elektroautos. Schauen Sie einmal in die USA, dort ist die Akzeptanz bereits ganz anders als hier in Deutschland. Die Akzeptanz bei den Menschen kann man auch nur mit einem elektrischen Alltagsauto testen. Da ist jede Menge Platz für Typen!”

Heute schreibt indiKar, der Trabant nT sei noch immer nicht realisiert, weil kein “wirklich serienreifer und bezahlbarer Elektromotor auf dem Markt” vorhanden sei. Das dürfte nur die halbe Wahrheit sein. Denn tatsächlich dürfte das einfache Problem sein, Investoren für ein Unternehmen zu finden, dass nur eine Karosserie im Retro-Design liefern kann, nicht aber technisches Know How.

Der Trabant nT dürfte es auch in den kommenden Jahren nicht aus der Versenkung heraus schaffen. Für ein Unternehmen gibt es keinen Anreiz sich als Investor zu betätigen – denn es fehlt bei indiKar schlicht und ergreifend an Know How, das eine Investition rechtfertigt. Selbst im Segment mittlerweile etablierte Hersteller wie Tesla und Fisker haben trotz vorhandenem Know How, Namen und Menschen so ihre Schwierigkeiten beim Thema Investoren. Da wird sich keiner für die sächsische Provinz finden. Allein kann indiKar das Projekt nicht stemmen – Elektroantriebe kauft man nicht einfach wie Vierzylinder von BMW oder Opel, und die paar, die man doch kaufen kann bei Zulieferern werden an großen Stückzahlen und Kosten hängen. Zudem sind die Batteriekosten weiterhin hoch und für die exklusive Kleinserienproduktion a la Tesla Roadster dürfte das Retro-Design des Trabant am Ende doch zu viel Ost-Charme aufweisen. Ein neues Elektro-Volksauto, wie es sich indiKar 2009 für einen Preis von 20.000 Euro für den Trabi nT vorgestellt hatte, werden wir so bald aus Sachsen nicht sehen …

Übrigens Trabant nT: Zu dem habe ich es damals ja sogar in einen redaktionellen Beitrag von N-TV geschafft ;)
Durch und durch modern – Der “Trabi” ist zurück