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BMW i3 – Der Revolutionär

Endlich. Nach zwei Jahren des anteaserns, anfeuerns und ankündigens ist der da: Der BMW i3. Das radikalste, alternativ angetriebene Auto der Welt. Ein paar Gedanken.

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Ich weiß, dass mir beim einleitenden Satz dieses Artikels einige widersprechen wollen. Jene, die im BMW i3 nichts sehen, was den Medienhype der letzten Tage auch nur im Ansatz begründet.
Aber sind wir ehrlich: Der BMW i3 hat das Zeug, den Markt der alternativ angetriebenen Fahrzeuge umzukrempeln. Bisherige E-Autos folgen eher bekannten Konventionen, hüllen ihre Technologie in Karosserien die aus Stahl oder Aluminium geformt sind. Nicht so der BMW i3. Er zettelt eine Revolution an.

Norbert Reithofer ist der Treiber hinter dem ‘Project i’ bei BMW. Nachdem er das Ruder bei BMW übernommen hatte, fing er an seine Idee eines grünen Stadtfahrzeugs im Konzern durchzudrücken. Und er scheut sich nicht, dabei auch einen Konzern als Vorbild zu benennen, dem die Idee bei den Bayern folgt: Apple.
Ebenso wie der Elektronikkonzern aus Cupertino inszeniert BMW seine neue Submarke und lädt sie mit Coolness auf, man erkennt durchaus Parallelen. Der BMW i3 ist, die einzelnen Komponenten genommen, vielleicht keine riesige Innovation – aber zusammen geführt, designet und vermarktet ergibt er das erste iPhone auf vier Rädern. So man bei der Metapher bleiben will.

BMW i3 – das erste iPhone der Elektromobilität

Der BMW i3 trennt Antrieb und Fahrgastzelle strikt. Unten der Antrieb inklusive Batterien, oben auf sitzt die Zelle. Das Prinzip hatte General Motors vor einigen Jahrzehnten bereits einmal propagiert, aber nie in Serie geschickt.
Dabei hat es gleich zwei große Vorteile: mit wenig Entwicklungsaufwand lassen sich neue Typen dem Portfolio hinzufügen, weil nicht die Technik “eingepasst” werden muss, sondern einfach nur eine neue Zelle auf den Antrieb gesetzt wird. Der zweite Vorteil: Der Schwerpunkt ist so tief, dass man den BMW i3 trotz seiner schmalen Reifen einfach nicht umgekippt bekommt.

Die Fahrgastzelle ist aus Karbon. Unheimlich teuer. Aber auch das bringt Vorteile mit sich: Es ist leicht und unheimlich stabil. Damit sind einzigartige Formen der Zelle möglich, die man mit Stahl teuer – oder schwer – erkauft. Zudem sichert sich BMW auch für die Serienproduktion seiner Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor einen Knowhow-Vorsprung.
Das Carbon ist teuer, aber der hohe Preis gleicht sich aus: Mit gerade einmal 1,2 Tonnen Gewicht ist der BMW i3 ziemlich leicht, benötigt deshalb weniger Batterieleistung. Und Batterien sind schwer und teuer. Senkt man ihre Anzahl senkt man auch Ladezeit, Gewicht, Kosten und Entsorgungsprobleme in einigen Jahren. Das aufgewogen mit dem Rohölbedarf des Carbon und den Kosten dafür, dürfte den betriebswirtschaftlichen Vergleich der beiden Materialien relativ auf Null setzen – mit Vorteil für Carbon.

Der BMW i3 ist ein Technologiesprung in der Automobilindustrie (ich sage bewusst nicht Quantensprung). Blendet man einmal kurz das massive wirtschaftliche Wagnis aus, auf das BMW hier setzt, so ist er gar mehr als das. Er ist ein Signal – auch an den Wettbewerb. Und der ist nervös. Dies kann man wunderbar an VW ablesen, zum Beispiel. Die Wolfsburger präsentierten auf der IAA sichtlich nervös einen Volkswagen e-Up. Den Kleinen gibt es für 26.000 Euro, rund 12.000 Euro teurer als den normalen Up. Der BMW i3 kostet 35.000 Euro, doch er ist ein Statement mit Premiumcharakter – eine Wertstellung, die der e-Up nicht bekommen wird. Daher verfehlt der VW in meinen Augen seine Zielgruppe, auch wenn VW noch so sehr betont, dass man der einzige Hersteller ist, der das Thema Elektromobilität richtig angehe …

Elektromobilität vor der Abzweigung: Autobahn oder Sackgasse

Es wird spannend zu sehen sein, wie der BMW i3 beim Publikum ankommt. Auf der IAA jedenfalls polarisiert er. Und das ist die richtige Taktik: Der BMW i3 ist nicht für jeden. Wer ein langweiliges E-Auto fahren will, greift zum Nissan Leaf oder den elektrischen Renault-Fahrzeugen. Und die Frage wäre dann, ob deren geringer Erfolg auf ihren Antrieb oder ihr Äußeres zurückzuführen ist?
Vom Marketing-Standpunkt aus gesehen, ist ein polarisierendes Fahrzeug zumindest ein Segen, mehr als ein Langweiliges. Denn es wird darüber gesprochen, sich damit auseinander gesetzt und beschäftigt. Etwas Besseres kann der Elektromobilität als solches nicht passieren. Und ich wette, der BMW i4 wird konservativer ausfallen – aber als “Türöffner” funktioniert der BMW i3 perfekt.

Ab Ende des Jahres wird des den BMW i3 geben, wird er bei den Händlern stehen. Das erste Jahr wird man wenig aussagen können, über den Erfolg des i3 – er wird als Exot auffallen und begehrt sein, zudem rüstet BMW seine DrivenNow Car-Sharing-Flotte mit ihm aus. Spannend wird es ab Jahr 2, erst 2015 sind Aussagen zum Erfolg und der Akzeptanz des BMW i3 meines Erachtens seriös. Was uns natürlich nicht davor schützen wird, dass wir dem kleinen urbanen Zwerg im nächsten Jahr vielfältig in der Presse begegnen werden. Die einen werden ihn sterben sehen, die anderen preisen. Warten wir ab. Eins jedoch ist klar: VW up, Nissan Leaf, Ford Focus Electric und Renault Zoe werden es nicht so oft in die Presse schaffen … Also: Bereitet euch vor ;)