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Tesla Model S

Tesla: “All unsere Patente gehören euch”

Tesla wird zum Open Source Autobauer. Die Kalifornier öffnen ihre Schatzkammer und stellen sämtliche eigene Patente zur fairen Nutzung frei. Es ist ein initiierter Sprint der Innovationen – wird die großen Hersteller aber wenig motivieren.

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Gerüchte gab es bereits in den letzten Tagen – doch für möglich gehalten haben es wohl nur die Nerds, weniger die Beobachter der Automobilszene. Nun jedoch ist es passiert: Tesla hat erklärt, all seine Patente frei mit der Welt teilen zu wollen.
“Tesla Motors wurde gegründet, um die Einführung nachhaltiger Mobilität zu beschleunigen. […] Tesla wird keine Patent-Klagen gegen irgendjemand anstrengen, der, in gutem Vertrauen, unsere Technologie nutzen will”, schrieb Gründer Elon Musk gestern Abend ins firmeneigene Weblog.

Das ist ein großer Schritt für Tesla und die Industrie. Aber auch ein Signal an die gesamte (US-)Wirtschaft.
Denn Patente sind normalerweise das Gold eines Unternehmens – und für das streitet man auch schon einmal jahrelang vor Gericht. In der HighTech-Branche, der sich Tesla mehr zugehörig fühlen dürfte als der traditionellen Autobranche, stehen Apple und Samsung seit Jahren exemplarisch für Patentstreite, die verbittert geführt werden.

Tesla nun will auf solche Prozesse verzichten.
Solang zumindest, und dieser kleine Einwand ist interpretationswürdig, die Patente Teslas “in gutem Vertrauen” genutzt werden. Am Ende also soll es vor allem fair für alle Beteiligten sein.
Musk führt weiter im Blog aus: als man bei Tesla startete, hatte man Angst vor den großen Herstellern. Diese hätten die Patente einfach nutzen und mit ihren Erfahrungen Tesla ausbooten können. Doch genau das taten sie nicht. “Die Realität ist das ganze Gegenteil”, schreibt Musk. “Der Einsatz für den Bau elektrischer Fahrzeuge bei den großen Herstellern ist gering bis nicht existent. […] Unsere wahren Wettbewerber sind deshalb nicht die wenigen Nicht-Tesla-Elektrofahrzeuge die produziert werden, sondern die riesige Flut an konventionellen Autos, die Fabriken täglich ausgespucken.”

Aus den Worten Musks spricht neben der Vision von der Mobilität von Morgen vor allem auch Selbstvertrauen. Das und eine Botschaft: “Eine technologische Führungsrolle definiert sich nicht über Patente, […] sondern darüber, die weltbesten Ingenieure zu motivieren und für sie attraktiv zu sein”, so Musk.

Diskussionswürdig wird sein, was die Nutzung “in good faith” ist, wie Musk es im Blog schreibt. Damit meint der Visionär aus Palo Alto wohl eine ‘Fair Use’-Philosophie – frei nach dem Motto: Tust Du mir nichts, sondern der Welt nur Gutes, tue ich die nichts.

Abgeschafft: die Tesla Wall of Patents
Bild: Steve Jurvetson via flickr, CC Lizenz

Für die Autobranche wird das Signal Teslas so oder so wohl kaum eine Rolle spielen. Während sich Daimler vor ein paar Jahren noch mit 10 Prozent bei Tesla einkaufte, um an das Know How zu kommen, könnten es jetzt alle nutzen. Eitelkeit und eine wenig kalkulierbare Rechtssituation dürften den massenhaften Einsatz aber eher unwahrscheinlich machen. Für kleinere Firmen hingegen, ebenso wie beispielsweise Google mit seinem autonomen Auto, könnte die Sache hingegen spannend sein.

PR verschafft es die Aktion den Jungs von Tesla so oder so wieder einmal. Wie man die Klaviatur der Medien bedient weiss Musk nur allzu gut. Und die Börse freut sich. Den letzten Sprung für die Tesla-Aktie gab es nach der Bekanntgabe von Plänen zum Bau einer großen Batteriefabrik. Ob die so genannte Gigafactory am Ende wirklich der große Wurf wird, sehen Experten hingegen skeptisch.
Wie die Börse den jetzigen Schritt bewerten wird, bleibt abzuwarten – schließlich gibt Tesla hier faktisch das Tafelsilber zur Mitnahme frei. Ideologisch hingegen kann man es fast nicht besser machen: erst die Branche aufmischen um dann zu teilen.

Noch kämpft Elektromobilität gegen viele Vorurteile und Absatzprobleme; insbesondere in Europa. Im Mai wurden vom rein elektrischen BMW i3 hierzulande gerade einmal 255 Stück zugelassen, vom Tesla S gar nur 57. Zum Vergleich: die neue S-Klasse verzeichnete 905 zugelassene Fahrzeuge, der weit ältere Audi A8 immerhin 274.