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Autofahren Nachts - Das hält wach!

Was uns wach hält: So überstehst Du die Müdigkeit beim Autofahren

Die Situation kennen wir alle: ein langer Arbeitstag irgendwo weit weg von daheim. Und es soll noch ins eigene Bett gehen. Oder die Rückfahrt mit dem Auto aus dem Urlaub … . Das Problem ist: irgendwann kommt, was unvermeidlich ist. Die Müdigkeit am Steuer. Was dagegen tun?

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Sie ist ein hinterhältiger, gemeiner Feind. Die Müdigkeit. Sie schleicht sich an, umhüllt uns mit kuscheliger Wärme und säuselt uns lieblich ins Ohr. Sie ist wie die Nymphe am Strand: lockt uns. Und wir denken widerstehen zu können. Bis wir ihr erliegen.

Das kann tödlich sein.
Sekundenschlaf ist so zum Beispiel bei Lkw Fahrern eine der häufigsten Unfallursachen. Und auch Pkw Fahrer sind nicht dagegen immun. Im Gegenteil.
Dabei dürfte die Dunkelziffer der Verkehrsunfälle, die durch Sekundenschlaf noch weit höher liegen, als statistisch erfasst. So geht offiziell jeder vierte, Schätzungen zufolge gar jeder dritte, Unfall mit Todesfolge auf Autobahnen auf Sekundenschlaf zurück.

Wie also den Feind austricksen?

Wer bei 130 km/h fünf Sekunden einnickt, ist 180 Meter völlig reaktionslos unterwegs

Sekundenschlaf am Arbeitsplatz ist verzeihbar – sofern der Arbeitsplatz nicht die Autobahn ist. Doch hinterm Lenkrad sollte man sich von ihm nicht einlullen lassen.

Das Problem ist neben der Fahrzeit auch die Monotonie auf der Straße, insbesondere der Autobahn. Alles fließt, alles läuft. Zudem kommen mit Tempomat, Spurhalteassistent und Co. elektronische Helfer in modernen Autos zum Einsatz, die das „wegnicken“ noch einfacher machen.

Wir gestehen uns nicht gern ein, dass wir dem Sekundenschlaf erliegen – wir verdrängen ihn, sagen uns: „das schaff ich noch!“ oder denken ihn besiegen zu können.

Dabei ist nicht nur das Augenschließen das Problem. Werden wir schläfrig, fahren wir wie unter Alkoholkonsum …

So besiegst Du den Sekundenschlaf

Zigarette und Kaffee, Energytrinks und frische Luft helfen … und wiegen uns in tödlicher Sicherheit. Denn Koffein und Nikotin verlieren schnell ihre Wirkung. Auch Nikotin, das wie Koffein zu den Alkaloiden gehört, führt nach anfänglich belebender Wirkung zu schneller Entspannung – und hat damit den gegenteiligen Effekt von dem, was wir eigentlich wollen.

Nachts fahren hilft … allerdings nur, wenn Du zu den regelmäßigen Domian-Zuhörern gehörst und eine Nachteule bist. Fahrten zu Zeiten, den denen man gewöhnlich schläft, sollte man vermeiden. Wer also normalerweise um 20 Uhr im Bett liegt, sollte um 23 Uhr nicht noch 400 Kilometer heimwärts fahren wollen.

Wärme hilft … wenn man zu ihr eine ähnlich gute Beziehung hat, wie diese kleinen Mikroorganismen in unterseeischen Vulkanen. Tatsächlich aber sollte man für frische und kühle Luft sorgen. Am besten die Klimaanlage auf eine Temperatur zwischen 20 und 24 Grad stellen.

Mitsingen zum Radio hilft … für ein paar Minuten. Irgendwann kommt man sich dann doch blöd vor, wenn man Musik aus dem Radio mitträllert, bei der man den Text sowieso nicht kennt. Geheimtipp: Comedy! Oder habt ihr schonmal Jemanden einschlafen sehen, der lacht? Es helfen allerdings nur Comedians die man mag – bei Mario Barth würde ich jetzt auch eher abschalten und wegnicken, oder direkt wach dem Freitod entgegen vor den nächsten Brückenpfeiler krachen.

Nur nicht dem Auto trauen!
Einige Fahrzeuge, vor allem in der Premium-Klasse, verfügen heute über Eye-Tracker-Systeme, die Augenbewegungen und Lidschläge beobachten oder die Bewegungen am Lenkrad erfassen. Merken die Systeme, dass man langsamer blinzelt, die Augen schließt oder untypische Lenkradbewegungen vollführt, schlagen sie vor, eine Pause zu machen. Solchen Systemen sollte man nicht trauen – wenn man einen Freitod-Wunsch hat. Denn sie meinen es gut, wollen helfen die tödliche Unfallursache zu vermeiden. Also ruhig den nächsten Parkplatz suchen, wenn die kleine Kaffeetasse im Armaturenbrett auftaucht!

Geheim: das einzig wirksame Mittel gegen Sekundenschlaf

… ist: Schlaf.
Und zwar ausreichend.
Für die Erholung zwischendurch tut es unter Umständen ein sog. Powernap: 10 bis 20 Minuten Schlaf, bis kurz vor der REM-Phase. Dieses Nickerchen erholt den Körper kurzzeitig und ausreichend. Aber auch hier gilt Vernunft walten zu lassen. Denn wer falsch ausruht kann zunächst noch müder werden. Das bedeutet, nach den 10 bis 20 Minuten sollte man sich tatsächlich fit fühlen, und nicht weiter schläfrig. Außerdem ist zu beachten, dass das „aufladen“ nur für ca. zwei Stunden anhält.
Den regenerativen Effekt von langem Nachtschlaf ersetzt der Kurzschlaf nicht.
Eine ebenso wirksame Möglichkeit ist, im Restaurant einfach mal für 30 Minuten die Ruhe zu genießen und zu dösen – also Augen schließen, ohne zu schlafen.

Ansonsten gilt: ausgeschlafen auf Tour gehen. Dann klappt die Reise auch ganz ohne Sekundenschlaf. Auch regelmäßige Pausen helfen. Wer acht Stunden am Stück hinterm Steuer sitzt wird zwangsläufig müde sein, egal wie wach er sonst nach acht Stunden Tagesleben sonst wäre …

Rechtlich sicher: Schlafen. Aber nicht am Steuer.

Zum Schluss vielleicht noch sei mit auf den Weg gegeben: wer durch Sekundenschlaf einen Unfall herbei führt, haftet. Immer. Denn sowohl bei der Fahrzeugversicherung, als auch vor dem Gesetz, wird der Sekundenschlaf als grobfahrlässige Herbeiführung des Versicherungsfalls gewertet. Entsteht ein Personenschaden, werten die Behörden dies ebenso als fahrlässige Tötung bzw. fahrlässige Körperverletzung.
Als Beifahrer ist man dann übrigens nicht unschuldig: nickt der Fahrer weg, kann unter Umständen strafrechtlich eine Mitverschuldung und Sorgfaltsverletzung nachverfolgt werden.

P.S. Jens hat im Gutschild Blog auch mit dem Thema und klärt euch ein wenig besser über die technischen Funktionalität der Müdigkeitswarner in neueren Autos auf.

  • Florian Meier

    Ja, Energy Drinks bringen echt nichts. Das kann ich nur bestätigen. Ich trinke zwar auch mal gerne einen starken Kaffee oder ein Red Bull am Morgen, um in Fahrt zu kommen, aber da habe ich auch meist ein paar Stunden Schlaf hinter mir. Um aber ein paar Stunden länger unterwegs sein zu können, braucht man ganz andere Dinge, z.B. Gesellschaft, denn die lenkt einen von der Müdigkeit ab. Ist man allein, gerade im Wagen, dann sind kalte Luft und laute Musik wirklich hilfreich.

    Aber Comedy??? LOL! Damit habe ich es noch gar nicht versucht! Vielleicht bringt das ja echt was. Nur leider bin ich so wählerisch mit Comedians und Kabarettisten.

    Dass mit der rechtlichen Haftung für den Sekundenschlaf ist natürlich hart, aber letztlich verständlich. Denn wer hinterm Steuer einnickt, der ist genauso wenig Herr der Lage wie jemand, der betrunken ist oder am Handy hängt. So jemand gefährdet im Verkehr sich und andere. Und das sagt nicht nur das Strafrecht, das steht sinngemäß auch schon in der Straßenverkehrsordnung (StVO) drin: http://www.fahrerbewertung.de/stvo

    Also: Entweder stets umsichtig fahren – oder gar nicht.

    Bis neulich,
    F.M.